Italiens verrücktester Spieler: Luciano Re Cecconi

Nur ein Scherz

Das Lazio Rom der Siebziger war die wahre »Crazy Gang«: Eine Ansammlung von Waffennarren, Faschisten und einem Star, der einen bizarren Tod starb.

imago images
Heft: #
Spezial

Dieser Text erschien zuerst im neuen 11FREUNDE SPEZIAL »Die größten Skandale des Fußballs«. Weitere Themen: Christoph Daums Koks-Affäre, Toni Schumachers »Anpfiff«, das Schicksal der Hertha-Spieler Uwe Witt und Michael Kellner u.v.m. - ab jetzt am Kiosk! Und hier im Shop.

Schon hinter seinem Namen steckt eine Geschichte. Seine Vorfahren lebten in der Lombardei, nördlich von Mailand. Nach der Schlacht bei Magenta im Jahre 1859 kam König Viktor Emanuel II. durch die Gegend und war so beeindruckt von der Gastfreundschaft der einfachen Leute, dass er ihnen ganz offiziell erlaubte, den Namenszusatz »Re« zu führen, also König. So wurden die Cecconis zu Re Cecconis.

Box to Box

Einige Generationen später, im Dezember 1948, kam Luciano in einer Bauernfamilie zur Welt. Wegen seiner auffälligen blonden Haare und seiner Fähigkeiten auf dem Fußballplatz bekam er als junger Kerl den Spitznamen Cecconetzer. Zwar konnte er es in puncto Genialität und Eleganz nicht mit dem Gladbacher Spielmacher aufnehmen, doch dafür besaß er großen Kampfgeist. Luciano Re Cecconi war der Prototyp dessen, was man heute einen »Box-to-box-Spieler« nennt.

Diese Eigenschaften machten ihn zum Fanliebling beim Klub, zu dem er 1972 wechselte: Lazio Rom. Und spätestens, als er Lazio zwei Jahre später zur Meisterschaft führte und Nationalspieler wurde, war er nur noch »Re«. Die Zuschauer schlossen den König auch deshalb ins Herz, weil er ein ausgleichendes Wesen besaß und relativ normal wirkte unter all den Wahnsinnigen. Damit ist jetzt nicht das Fußballklischee von den »positiv Verrückten« gemeint. Nein, in der Lazio-Elf der Siebziger standen tatsächlich einige Typen, die nicht alle Latten am Zaun hatten.

Trainingsspiel? Lieber Unentschieden!

So waren viele Spieler Waffennarren. Als Fans des AS Rom vor einem Derby die Lazio-Kicker mal am Schlafen hindern wollten, indem sie auf der Straße Lärm machten, nahm Verteidiger Sergio Petrelli seinen Revolver und feuerte aus dem Hotelfenster auf sie. Natürlich mit scharfer Munition. Weil die Knarren so locker saßen, ging vor Inlandsflügen am Gate immer ein Sack herum, in den die Spieler ihre Pistolen werfen sollten. Einmal weigerte sich ein Flugkapitän, die Maschine zu starten, weil er begründete Zweifel hegte, dass wirklich alle Spieler ihre Handfeuerwaffen abgegeben hatten.

Zudem standen einige Kicker in dem nicht unbegründeten Ruf, Faschisten zu sein. Das trug dazu bei, dass das Team in zwei Lager zerfiel. So zerstritten waren die beiden Gruppen, dass ein Teil der Spieler sich vor dem Training lieber in der Gästekabine umzog. Die Einheiten, die dann folgten, sind legendär. Selbst Lazio-Profis, die in der Serie A niemals Schienbeinschoner trugen, zogen es im Training vor, ihre Beine zu schützen. Und da bei dieser Truppe hartes Spiel schnell in Handgreiflichkeiten umschlagen konnte, sorgte Trainer Tommaso Maestrelli wenn irgend möglich dafür, dass die Trainingsspiele unentschieden endeten.