Ist Zidane der Richtige für Real Madrid?

Der Dirigent

Zinedine Zidane war als Spieler ein Genie. Als Trainer muss er sich erst noch beweisen. Doch ausgerechnet bei Real Madrid?

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Eigentlich ist das unmöglich. Das eine prägende Spiel in der Kariere des großen Zinedine Zidane auszumachen. Dieser Mann war ein Jahrzehnt lang die prägende Figur des Weltfußballs, einer der besten Spielgestalter aller Zeiten. Aber einen Versuch ist es wert.

Die totale Kontrolle

Viertelfinale bei der WM 2006, Brasilien gegen Frankreich. Zidane, Weltmeister schon 1998, hatte seinen sportlichen Zenit eigentlich schon überschritten. Doch in diesem Spiel war er mal wieder unglaublich. Ein Magnet im Mittelfeld, jeder Ball aus der Defensive ging zunächst auf ihn, weil seine Kollegen ja wussten: Zizou wird schon was einfallen. Und wie ihm was einfiel. Man konnte dem Spieler damals regelrecht dabei beobachten, wie er das Spiel kontrollierte. Mit seinen Füßen, mit seinem ganzen Körper. Traumwandlerisch sichere Bewegungen mit und ohne Ball, Kämpfer und Künstler zugleich. Brasilien hätte gegen Frankreich eine Chance gehabt. Aber nicht gegen Zidane. Einen seiner Freistöße zirkelte er auf den Schädel von Thierry Henry, 1:0, aus die Maus.

An diesem Tag wirkte Zidane tatsächlich wie ein Dirigent, der aus seinem eingespielten Orchester eine wahre Galavorstellung herauskitzelte.



Einer der vielen prominenten Kenner der Szene, die sich zum Trainerwechsel bei Real Madrid zu Wort gemeldet haben, ist Christoph Metzelder. »Real«, hat der ehemalige Madrid-Profi gesagt, »braucht einen Dirigenten, keinen Komponisten.« So gesehen hätte Real Madrid keine bessere Wahl treffen können, als den glücklosen Rafael Benitez durch Zinedine Zidane zu ersetzen.

Benitez wurde »Zehner« genannt – eine kleine Gemeinheit

Der Spanier Benitez hat keine große Spielerkarriere vorzuweisen, aber als Trainer ist er ein hoch geschätzter Fachmann. Seine größten Erfolge in Valencia oder Liverpool feierte er als Komponist, als Organisator von Mannschaften, die fehlende individuelle Klasse durch taktische Klugheit und Raffinesse ausglichen. Ein Dirigent war er nie. Als »die Lösung« hatte Real-Patron Florentino Perez Benitez im vergangenen Sommer angekündigt, doch der Komponist fand keinen Zugang zu seinen Künstlern. Die spanische Zeitung »Marca« enthüllte gar den internen Spitznamen der Spieler für ihren Trainer: »Zehner« – eine kleine gemeine Anspielung auf den fehlenden Stallgeruch als ehemaliger Weltklassespieler. Wer als Trainer den Respekt verliert oder gar nicht erst bekommt, kann keine gute Arbeit abliefern.