Ist Rafael Benitez zu dick?

Der verlässliche Kellner

Vor dem Spiel zwischen Wolfsburg und dem SSC Neapel sorgt Rafael Benitez' Plautze für Aufregung. Genuas Präsident möchte den Neapel-Trainer verpflichten. Die Bedingung: Er muss abnehmen.

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Es war ein schwieriger erster Auftritt. Als Rafael Benitez am 25.November 2012 vor dem Spiel gegen Manchester City zum ersten Mal als Chelsea-Coach aus den Katakomben an der Stamford Bridge marschierte, sangen die Chelsea-Fans: »Fat Spanish waiter, he’s just a fat Spanish waiter.« Während des Spiels wurde es dann noch hitziger. Die Fans von Manchester City stimmten mit ein und die Gesänge der Chelsea-Anhänger wurden immer derber. Der Trainer, unter dem Liverpool den FC Chelsea 2006 und 2007 aus dem Champions-League-Halbfinale schmiss, die fleischgewordene Rivalität zwischen den beiden Klubs, stand nun plötzlich für die »Blues« in der Coachingzone. Das schmeckte den Chelsea-Fans überhaupt nicht. Und so packten sie ihn an seiner offensichtlichen Schwäche: seinem Körpergewicht.

»Ich gebe offen zu, dass ich schon freundlicher begrüßt worden bin«

Hasstiraden, die Benitez nicht juckten. Man mag ihm Glauben schenken, wenn er im 11FREUNDE-Interview locker sagt: »Ich gebe offen zu, dass ich schon freundlicher begrüßt worden bin. Aber ist das ein Grund, das Selbstvertrauen zu verlieren?« Der Neapel-Trainer hat im wahrsten Sinne des Wortes eine dicke Haut. Er arbeitet seit 1993 als Profi-Trainer und im Laufe von 22 Jahren stellt sich ja nun mal ein gewisser Gewöhnungseffekt. Vor allem, da gehässige Anspielungen auf sein Körpergewicht sein täglicher Begleiter sind. Erst vor zwei Tagen bekam der 175 Zentimeter große Spanier, dessen tatsächliches Gewicht wohl nur seine engsten Vertrauten kennen, wieder sein Fett weg.

Der Klub-Eigentümer von Sampdoria Genua, Massimo Ferrero, hatte gegenüber einem italienischen Radiosender erklärt, dass er sich Benitez als Nachfolger des stark umworbenen Sampdoria-Trainers Sinisa Mihaljovic durchaus vorstellen könne. Allerdings unter einer Bedingung: »Ich würde Benitez nehmen, aber ich müsste ihn erst auf Diät setzen.«  Wirbt man so einen renommierten Trainer von einem erfolgreichen Liga-Konkurrenten ab? Bestimmt nicht. Doch darum ging es Ferrero auch nicht. Der Hintergrund seiner frechen Anfrage: Am Sonntag spielen die »Blucerchiati«, die Blauumrahmten, gegen den SSC Neapel. Ein direktes Duell um den vierten Platz, auf dem zurzeit Neapel mit drei Punkten Vorsprung auf Genua steht.