Ist Huntelaars Zeit vorbei?

Zwischen Statue und Buhmann

Ob Schalke ein Sturmproblem hat oder nicht, löst in Gelsenkirchen immer wieder Kontroversen aus. Manche Fans gehen die Debatte diplomatisch an und sagen: »Schalke hat kein Stürmerproblem. Stürmer haben auf Schalke ein Problem.« Bezüglich Huntelaars Zukunft bietet die Aussage einen Einblick in verschiedene Lager der Fans.

Viele hätten den Niederländer vor der Saison gerne mit Lorbeerkranz verabschiedet und sein Poster neben jenem von Klaus Fischer platziert. Den würdigen Abschied als lebende Statue verpasste der Verein jedoch. Jetzt echauffieren sich die einen über Huntelaars Torflaute und machen den Stürmer zum Buhmann. Die anderen sprechen den Mangel an Vorlagen(gebern) an und stellen sich aufgrund der großen Verdienste Huntelaars schützend vor ihn.

Auch di Santo auf dem Abstellgleis

Ein drittes Lager spricht von Franco di Santo und verweist – ohne dessen schwache Auftritte der letzten Saison zu beschönigen - auf den ersten Spieltag bei Eintracht Frankfurt, als der Argentinier von Weinzierl ins ungewohnte rechte Mittelfeld beordert wurde. Der gelernte Mittelsürmer lieferte ein unterirdisches Spiel ab und wurde in der Halbzeit ausgewechselt. Eine echte Chance als alleinige Sturmspitze erhielt er von Weinzierl danach nicht mehr.

Das vierte Lager würde gerne mehr Auftritte von Talenten der »Knappenschmiede« sehen. Auch diese Debatte ist keine neue in Gelsenkirchen, denn auch wenn die Schalker Ausbildungsstätte von Manuel Neuer über Mesut Özil bis Leroy Sané große Namen hervorbrachte: einen klassischen Mittelstürmer sucht man bei den Profis bis heute.

Eine Frage des Vertrauens

U20-Nationalspieler Fabian Reese unterschrieb im Februar einen Profivertrag und läuft nach einem Kurzeinsatz beim Pokalspiel in Villingen für die Reserve auf. Das ghanaische »Riesentalent« (WAZ) Bernard Tekpetey wurde von Gerald Asamoah vermittelt, kam bisher ebenfalls nur in der U23 zum Einsatz und steht nach Achillessehnenproblemen gegen Krasnodar erstmalig in dieser Saison im Profikader.

Zu welchem Lager Trainer Weinzierl und Christian Heidel tendieren, bleibt auch nach der Verletzung von Breel Embolo offen. Ein Ausspruch des Vertrauens gegenüber Huntelaars Qualitäten wie zu Beginn der Saison, bleibt dieser Tage ebenso aus wie die schnelle Suche nach einem neuen Stürmer.

Das fünfte Lager heißt übrigens Horst und sagt: »Die hätten den Kurányi nie verkaufen dürfen!«