Ist Hertha schon reif für den Europapokal?

Der Entscheider

Hertha BSC könnte sich zum ersten Mal seit 16 Jahren wieder für die Champions League qualifizieren. Aber hat das Team dafür die Qualität? Salomon Kalou auf jeden Fall.

imago

Kurz vor Schluss gab es beim Heimsieg von Hertha BSC gegen Eintracht Frankfurt sogar noch einen symbolischen Moment.

Trainer Pal Dardai holte die Vergangenheit vom Platz und gab der Zukunft die Ehre. Maximilian Mittelstädt, 18 Jahre alt und Zögling der eigenen Nachwuchsakademie, durfte sein lange angekündigtes Debüt in der Fußball-Bundesliga geben.

Für ihn musste Salomon Kalou vom Platz, 30 inzwischen und damit gewissermaßen ein Mann aus der Vergangenheit. Zumindest hätte man das vor einem Jahr so gesehen, als Kalou nur schwer den Verdacht hätte ausräumen können, dass er eher wegen des grandiosen Nachtlebens nach Berlin gewechselt ist und nicht um seines fußballerischen Fortkommens willen.

»Er hat viel erreicht und trotzdem noch Hunger«

Inzwischen glaubt das niemand mehr. Der Ivorer ist wieder so was von Gegenwart – wenn nicht sogar mehr. »Was er macht, ist Wahnsinn«, sagt Herthas Mittelfeldspieler Per Skjelbred. »Er hat viel erreicht und trotzdem noch Hunger.«

Dass die Berliner das zähe Spiel gegen den Abstiegskandidaten aus Frankfurt doch noch mit 2:0 für sich entschieden hatten, lag laut Trainer Dardai an einer deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause, an einer überzeugteren Körpersprache, einer besseren Raumaufteilung – »und an der individuellen Qualität von Salomon«. Kalou bereitete das 1:0 von Mitchell Weiser vor, das 2:0 erzielte er selbst.

Auf zwölf Saisontore hat er es inzwischen gebracht. Eine beeindruckende Zahl. Noch beeindruckender ist seine Bilanz in der Rückrunde. Die Mannschaft ist nach der Winterpause nur schleppend in Gang gekommen, sieben Tore hat sie in sieben Spielen erzielt - an fünf war Kalou beteiligt.

»Für ihn ist es kein Stress, sondern Motivation«

»Er ist der Chef«, sagt Skjelbred. Was nicht wörtlich zu verstehen, sondern eher im übertragenen Sinne gemeint ist. Kalou führt nicht das große Wort, er zeigt der Mannschaft vor allem mit seiner Art, wo es hingehen soll. »Salomon ist ein großes Vorbild für alle«, findet Skjelbred. »Er spielt mit großem Herz.« Das hat die Mannschaft vor allem in den ersten Wochen des Jahres gebraucht, als sie angesichts der schönen neuen Möglichkeiten überraschend hasenfüßig daherkam.

Dardai hat den Spielern empfohlen, sie sollten Kalou beobachten, »wie er sich bewegt«. Völlig unbeeindruckt nämlich, weil er solche Tabellenregionen kenne. »Für ihn ist es kein Stress, sondern Motivation«, sagt Herthas Trainer. »Das ist Kopfsache.«