Ist Dortmund wieder der große Bayern-Konkurrent?

Feuerprobe verschoben

Am Sonntag gewann der BVB das zwölfte Pflichtspiel in Folge. Hatte Mats Hummels also Recht, als er sagte: »Der Abstand zu den Bayern ist wieder kleiner geworden«?

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Wie gut ist Thomas Tuchels BVB wirklich? Diese große Frage geisterte vor dem Spitzenspiel gegen Leverkusen durch das Westfalenstadion. Elf Siege in Folge können sich sehen lassen. Allerdings traf der BVB dabei eher auf Leichtgewichte des Weltfußballs. Siege gegen den Odd Ballklub, den Chemnitzer FC oder den Tabellenletzten aus Mönchengladbach wiegen nicht allzu schwer. Nun traf Dortmund das erste Mal auf einen vermeintlichen Spitzenklub: Bayer Leverkusen sollte der erste große Prüfstein werden. Tuchels Equipe bestand die Prüfung mit 1,3.

Dortmunds neue Stärken

Auch außerhalb Dortmunds hat sich herumgesprochen, dass der BVB unter Tuchel einen großen Sprung im Ballbesitzspiel gemacht hat. Der BVB setzt auf eine Asymmetrie im Spiel: Auf dem linken Flügel werden die Angriffe eingeleitet, auf dem rechten veredelt.

Auf links sorgt die spielstarke Achse aus Mats Hummels, Marcel Schmelzer und dem ausweichenden Zehner Shinji Kagawa für die nötige Kreativität im Passspiel. Haben die Dortmunder den Gegner erst einmal auf die linke Seite gelockt, wird das Feld mit dem weiten Diagonalball auf die rechte Seite geöffnet. Als Abnehmer für diese Bälle tut sich vor allem Matthias Ginter hervor. Er lebt in seiner Rolle als offensiver Rechtsverteidiger auf.



Der BVB überzeugt vor allem mit der Genauigkeit in den Kombinationen. Die Dortmunder spielen den Ball stets druckvoll, treten ihn selbst bei kurzen Zuspielen mit dem Spann. Der Ball lief in der Anfangsphase unheimlich schnell durch die Reihen, und dennoch leistete sich der BVB kaum Abspielfehler. Das ist der große Unterschied zur Vorsaison, wo das Umschalten von langsamen Ballhalten auf schnelle Vertikalpässe nie so recht gelang.

Leverkusen ohne Biss

Leverkusen lief die erste halbe Stunde des Spiels nur hinterher. Von der berühmt-berüchtigten Pressing-Philosophie von Roger Schmdit war nicht viel zu sehen. Leverkusens Stürmer liefen die Innenverteidiger nicht an. Stattdessen wollte Leverkusen den Zugriff auf den Flügeln erzwingen. Allerdings war Dortmunds Passspiel hierfür zu druckvoll. Leverkusen fand kein Gegenmittel gegen Dortmunds Überzahlen auf dem linken Flügel.

Dortmund spielte Katz und Maus mit dem Gegner. Durch die hohe Passgenauigkeit konnte sich Dortmund auch erlauben, relativ riskant im Aufbau zu stehen. Die Innenverteidiger schoben weit nach Außen, die Außenverteidiger weit nach vorne. Doch Leverkusen bestrafte es nicht. Dortmund drückte dem Spiel den Stempel auf.