Ist die Schalker Hymne islamfeindlich?

»Der Kontext entscheidet«

Beleidigt das Schalker Vereinslied den Namen des Propheten? Seit der Streit um die Mohammed-Zeile tobt, versteht man in Gelsenkirchen die Welt nicht mehr. Islamwissenschaftler Jochen Hippler warnt davor, den Vorgang zu unterschätzen.  Ist die Schalker Hymne islamfeindlich?
Klar ist hier Fußball Religion. Und klar, natürlich hatte man auch schon mal gewitzelt, dass keiner an Gott vorbeikomme, außer Stan Libuda. Doch dieser Ärger um eine Zeile, die seit Jahrzehnten gesungen wird, macht den Fußball-Bundesligisten Schalke 04 zunächst einmal sprachlos.
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  Wüste Beschimpfungen treffen auf der Geschäftsstelle in Gelsenkirchen ein, seit das Thema im Internet hochgekocht ist. In Hunderten Mails fordern mutmaßlich strenggläubige Muslime, dass die angeblich islamfeindliche Passage aus dem Vereinslied gestrichen werden soll: »Mohammed war ein Prophet, der vom Fußballspielen nichts versteht.« Der Klub schweigt.

Erinnerungen an den Karikaturenstreit  

Jochen Hippler, Islamwissenschaftler am Institut für Frieden und Entwicklung der Universität Duisburg-Essen, warnt davor, den Vorgang als Sommertheater zu unterschätzen. »Entscheidend ist nicht allein, wie die Zeile formuliert ist. Entscheidend ist, in welchen Kontext sie gestellt wird.«   Hippler hebt damit auf den Karikaturenstreit ab, der 2006 zu weltweiten Protesten muslimischer Organisationen geführt hatte. »Die Zeile im Schalker Lied mag läppisch sein«, sagt Hippler, »doch was wäre, wenn es in Gelsenkirchen gleichzeitig Übergriffe auf drei muslimische Mitbürger geben würde und die türkische Presse beide Vorgänge in Verbindung setzt?«  

»Hürriyet« und andere türkische Medien haben über den Propheten im Schalker Vereinslied bereits berichtet. Doch von großer Aufregung kann bislang offenbar keine Rede sein. Der Bericht, den sowohl die auflagenstarke »Hürriyet« als auch die islamisch-konservativ geprägte Zeitung »Zaman« für ihre Europa-Ausgaben verwendeten, stammt von ein und demselben Gelsenkirchener Reporter.  

Nüchtern berichtet dieser, dass der Heilige Mohammed in der Schalke-Hymne vorkommt, um dann in Anspielung auf den Vers ironisch zu formulieren: »Während es als erwiesen gilt, dass das von Millionen Schalke-Fans seit Jahren gesungene Lied im Jahre 1963 von Hans J. König geschrieben wurde, gibt es keinerlei Quelle oder Hadis (religiöser Begriff für Spruch oder Tat Mohammeds), die darauf hinweisen würden, dass der Heilige Mohammed die Farben Blau und Weiß bevorzugte.«
 
Bei Schalke »gibt es viele Mohammeds«  

Um Entspannung bemühen sich nun viele. »Wir müssen auch mal über so ein Thema lachen können«, wünscht sich Mehmet Ajaz, der Integrationsbeauftragte von Gelsenkirchen. Islamexperte Jochen Hippler ermuntert ihn und rät dem Schalker Vorstand zugleich, das Thema bei aller Brisanz entspannt anzugehen: »Muslime haben Humor, auch wenn sie manchmal so tun, als hätten sie keinen.«  

Vermitteln will nun Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrats der Muslime. Schließlich leiste der Verein eine gute Integrationsarbeit, und er glaube nicht, dass dies den meisten Muslimen in Deutschland bekannt sei, sagt Mazyek. Verpflichtet fühlt er sich den vielen türkischen Anhängern und Spielern: »Im Fußballverein Schalke 04 und unter seinen Fans gibt es viele Mohammeds«.