Ist Adebayor der faulste Profi Europas?

Muffins statt Zirkeltraining

Emmanuel Adebayor schnürt ab heute wieder seine Fußballschuhe - für Basaksehir in der Türkei. Sein Ruf als arbeitsscheuer Profi eilt ihm bereits voraus. 

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Brede Hangeland (35) hat so einiges erlebt in 16 Jahren Profifußball. Der norwegische Innenverteidiger (94 Länderspiele) kickte für Viking Stavanger, FC Kopenhagen, FC Fulham und Crystal Palace, ehe er Mitte 2016 seine Stollenschuhe an den Nagel hängte – fast zeitgleich übrigens mit einem gewissen Emmanuel Adebayor (32), der zuletzt Hangelands Teamkollege bei Palace war.

Als Hangeland vor einigen Tagen den Fernseher einschaltete und sich ins Programm der BBC zappte, traute er seinen Augen und Ohren nicht. Da stand doch dieser Adebayor und sprach ernsthaft von einem Comeback in der englischen Premier League. Der zuletzt vereinslose Ex-Superstar, gerade noch mit seinem Heimatland Togo beim Afrika Cup aktiv, befand, er habe »goldene Gene« und sei bereit für neue Aufgaben.

Der Inbegriff des traningsfaulen Abzocker-Profis

Dazu sollte man wissen: Adebayor ist in England der Inbegriff des trainingsfaulen, feierfreudigen und raffgierigen Abzocker-Profis. Weshalb Englands Klubs auch die Finger von einer Verpflichtung ließen. Heute nun unterschrieb der Togolese beim türkischen Tabellenzweiten Basaksehir, dem erklärten Lieblingsteam des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Ein aus sportlicher Sicht durchaus zweifelhafter Transfer – zumindest, wenn man Hangeland Glauben schenkt.

Gegenüber dem norwegischen Rundfunk NRK packte der Wikinger mal so richtig aus über den Sportkameraden Adebayor: »Ich spielte für Fulham, er für Tottenham, als wir eines Tages an der White Hart Lane aufeinandertrafen«, so Hangeland: »Wir sind im Ballbesitz und ich markiere Adebayor auf Höhe der Mittellinie, als er plötzlich sagt: 'Oh Mann, ich bin so hungrig. Ich kann gar nicht abwarten, dass dieses Spiel endlich zu Ende ist. Ich will was essen gehen. Kennst du ein gutes Restaurant in London, Hangeland?'«

»Er ist ein richtiger Genießer«

Der Norweger glaubte natürlich an einen Trick. Er dachte: Adebayor wolle ihn einlullen und  ihm dann plötzlich entwischen. Doch Hangeland realisierte schon bald: Die Bitte um den kulinarischen Tipp war völlig ernst gemeint. »Nach dem Spiel quatschten wir noch ein bisschen und ich schrieb ihm auch ein paar gute Restaurants auf. Aber ich merkte: Er kannte sie alle schon! Er ist eben ein richtiger Genießer.«

Dabei meint es Hangeland nicht einmal böse mit Adebayor. Er betont sogar: »Ich mag ihn als Typen.« Der Afrikaner sei ein richtig netter, tiefenentspannter Kerl. »Verstehen sie mich nicht falsch«, sagt Hangeland: »Er nahm die Spiele schon recht ernst und wollte gern gewinnen. Aber in den Zeiträumen zwischen den Spielen ließ er es sich ausgesprochen gut gehen.«

Wobei die Zeiträume zwischen den Spielen natürlich auch die Trainingseinheiten umfassten.