Islands neue Stärke

Mehr als nur ein One-Hit-Wonder

Islands Nationalelf war die Überraschung der EM. Jetzt zeigt sich: Die Isländer sind keinesfalls eine Eintagsfliege. Denn es tut sich was auf der Insel. 

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In der Holagasse 4 in Vestmannaeyjar herrscht endlich wieder zahnärztlicher Normalbetrieb. Der Doktor ist zurück! Heimir Hallgrimsson, im Nebenberuf isländischer Fußball-Nationaltrainer, kümmert sich in seiner Praxis um die wirklich wichtigen Dinge: Kariesbehandlung, Zahnprothetik, medizinische Mundpflege. Den Patienten kann Hallgrimsson dabei die neuesten Erfolgsstorys aus der WM-Quali erzählen

Zuletzt gab es ein 2:0 über die Türkei. Souverän! Drei Tage zuvor hatten die Nordmänner ein 3:2 gegen Finnland gefeiert. Furios! Damit holte das Team insgesamt sieben Zähler aus den ersten drei Qualifikations-Partien und belegt Rang zwei in der Gruppe I hinter den punktgleichen Kroaten. Was das bedeutet? Islands fantastische Reise könnte weitergehen! Nach dem sensationellen Auftritt bei der EM wollen Fans und Fußballer von der 320.000-Einwohner-Insel auch bei der WM 2018 die Welt erschrecken – mit ihrem »Huh« und ihrem »Helden-Fußball«.

»Wir sind nicht mehr die Underdogs«

Dabei finden alteingesessene Island-Fans: So furchtbar sensationell ist das gar nicht mehr, was da oben im Nordatlantik abgeht. Schon die WM 2014 hatte man nur um Haaresbreite verpasst. Damals scheiterte das Team in den Playoffs an Kroatien und an mangelnder internationaler Erfahrung. Dieses Manko ist seit der EM behoben. Und genug Selbstvertrauen haben die Nordmänner auch getankt: Schon wenige Minuten nach dem Viertelfinal-Aus gegen Frankreich (2:5) twitterte der nationale Verband KSI: »Wir werden noch stärker zurückkommen.«

Torwart Hannes Halldorsson (32) formuliert es konkreter: »Wir haben in Frankreich ein großes Turnier gespielt und jetzt wollen wir noch mehr. Wir sind nicht mehr die Underdogs. Wir haben schon seit Jahren eine erfolgreiche Mischung aus guter Organisation und talentierten Fußballern.« Isländische Profis sind überall begehrt. Halldorsson wechselte nach der EM aus Nijmegen zum dänischen Superliga-Klub Randers FC. Stürmer Johann Gudmundsson ging vom englischen Zweitliga-Absteiger Charlton Athletic zum Premier-League-Neuling Burnley. Joker Arnor Traustason schaffte den Sprung von IFK Norrköping zu Österreichs Rekordmeister Rapid Wien. Andere, wie Gylfi Sigurdsson (Swansea City), Birkir Bjarnason (FC Basel) oder Alfred Finnbogason (Augsburg) behaupten sich schon länger bei ihren Klubs im großen Profizirkus.

Woher stammt Islands Schlachtruf?

Islands Schlachruf

»UUH!«