Investor übernimmt Real Mallorca

Der Klempner greift zu

Globalisierung und kein Ende: Nachdem manch englischer Klub fest in russischer Hand liegt, hat sich der britische Investor Paul Davidson nun den Erstligisten Real Mallorca geschnappt – auch wenn er keine Ahnung vom Fußball hat. Investor übernimmt Real MallorcaImago Ein gewisses Maß an Taktgefühl wäre dem Baumogul Vincenç Grande zuzuschreiben, zumindest unternimmt der Eigner des spanischen Fußball-Erstligisten Real Mallorca fast schon rührende Versuche, die Nerven seiner Angestellten nicht über Gebühr zu strapazieren. Stress hatten diese zuletzt ja genug gehabt. Ein paar Wochen nur ist es her, dass Grandes Firmenkonglomerat, die Drac-Gruppe, Konkurs anmelden musste. Der Schuldenstand belief sich auf kolportierte 600 Millionen Euro, die in Spanien brutal um sich greifende Immobilienkrise hatte sein Geschäft untergraben. »Wundert euch nicht, wenn hier in den kommenden Wochen Leute in Anzug und Krawatte auftauchen«, warnte also Grande das Klubpersonal in der Vereinszentrale, sinngemäß: »Sind bloß Anwälte, um die Bücher zu prüfen.« Es sehe so aus, fügte er erklärend hinzu, dass der Klub nun tatsächlich kurz vor dem Verkauf stehe.

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Paul Davidson heißt der bislang auf den Balearen weitgehend unbekannte britische Investor, der fortan die 93-prozentige Mehrheit der Aktien des Real Club Deportivo Mallorca halten und Grande damit ein wenig aus der Patsche helfen soll. Verkäufer Grande wiederum darf hoffen, fünf Jahre als Präsident weiterwirken zu dürfen. So ist der Deal, den nun nur noch der Konkursrichter absegnen muss. Er kenne Davidson zwar erst seit den drei Tagen, die der Brite in Palma vorbeischaute, erklärte Grande einer wie die Angestellten verblüfften Öffentlichkeit; vertrauensvoll habe der 53-jährige Mann aus Manchester aber sofort gewirkt. »Ein Mann, der sein Gesicht zeigt, Augen hat, nicht bei Nacht und Nebel kommt, sondern bei Licht und im Beisein von Stenographen«, erklärte Grande. Auch deshalb sei man sich ohne Umschweife in den Grundzügen einig geworden, obwohl die Verträge noch nicht aufgesetzt seien.

Spitzname »Klempner«

Von Fußball allerdings, so gestand der Brite in ersten Gesprächen mit den Eingeborenen der Balearen-Insel, habe er »eine Ahnung«. Und weil ihm das auf den ersten Blick offenbar nicht jeder glauben mochte, schob er gleich hinterher, welchen Anspruch der Verein verfolgen müsse: »Ist doch klar: den Sieg in der Champions League!« Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr holte der Erstligist einen achtbaren siebten Platz. Damals aber hatte der Klub noch den Torschützenkönig Dani Güiza in seinen Reihen. Der wurde gerade für 17 Millionen Euro an Fenerbahçe Istanbul verkauft, wo seit diesem Sommer auch Spaniens EM-Nationaltrainer Luis Aragonés wirkt.

»The Plumber« wird Davidson auf der Insel genannt, »der Klempner«. Mit Pipelines hat er sich offenbar eine ziemlich goldene Nase verdient, mag sie zurzeit auch so sonnenbrandrot leuchten wie Mallorcas Trikots. Auf 42 Millionen Euro soll sich angeblich der Kaufpreis belaufen; dabei wollte Grande den Klub für 80 Millionen Euro Minimum verkaufen, wenn es doch ein ausländischer Investor werden sollte. Mit dem Geld sollte nicht zuletzt die Skepsis der Mallorca-Fans gelindert werden, und die ist groß: Eine Handvoll Erfahrungen hat Spaniens Fußball mit ausländischen Direktinvestoren schon gemacht, keine einzige war von Erfolg gekrönt.

Vor ein paar Jahren kaufte ein argentinischer Medienmogul namens Marcelo Tinelli den ambitionierten Zweitligisten Badajoz und warf so lange mit illustren Namen wie Bebeto, Dunga, Caniggia, Okocha und sogar Maradona um sich, bis der Klub per Lizenzentzug in die Viertklassigkeit abstieg. Daniel Grinbank, ebenfalls Argentinier, erwarb 86 Prozent an Leganés, verpflichtete 15 argentinische Spieler und den vom Silberfluss stammenden Trainer José Pekerman - und machte sich aus dem Staub, als er die Gehälter schuldete. Als Sonderfall gilt David Piterman, ein Abramowitsch für Arme.

Pleite und Ärger mit der Justiz

Der hat den einstigen Uefa-Cup-Finalisten Alavés in kontinuierlicher Kleinarbeit zugrunde gerichtet, wird aber nicht nur deshalb in bleibender Erinnerung bleiben. Mal ließ sich Piterman als Fotograf akkreditieren, um bei einem Ligaspiel trotz Verbots in den Innenraum zu kommen, mal jagte er die Spieler zu Techno-Musik über den Trainingsplatz, mal posierte er als Aktmodell für ein wenig renommierliches Magazin. Zumindest ist er seit seiner früheren Zeit als fast-olympischer Dreispringer nicht ganz aus dem Leim gegangen.

»Ich hätte den Klub liebend gerne an einen Mallorquiner verkauft, aber es hat sich keiner dafür interessiert«, tönte Grande. »Und die Globalisierung hat auch im Fußball Einzug gehalten: In England sind Klubs auch in Händen von Russen und Thailändern, und niemanden kratzt das.« Auch Davidson ist mal pleite gegangen, Ärger mit der Justiz hat er auch schon hinter sich. Doch damit seine Kicker bei der Durchsicht der Fachliteratur nicht auf die Idee kommen, dass dieser Klempner vom gleichen Schlage sei, reiste Presidente Grande eigens ins Trainingslager im österreichische Kössen. Trainer Gregorio Manzano dürfe bleiben, Davidson bringe »richtig viel Geld mit«, weshalb der Etat (und der Sold) für die kommende Spielzeit gesichert seien, das Budget werde sich auf 36 Millionen Euro belaufen, erklärte Grande.

Und, ach ja, Grandes alter Traum vom Stadion ohne Leichtathletiklaufbahn werde auch wiederbelebt. Interesse an VIP-Logen habe Mister Davidson weniger, wohl aber an der Nähe zum Spielfeld: die Tartanbahn komme weg. Womöglich hat Davidson am Ende doch mehr Ahnung von Fußball, als er auf den ersten Blick zu erkennen gibt.