Intrigenstadel Bundesliga

Wenn der Fisch stinkt

Beim Fußball-Zweitligisten 1860 München regieren Wut, Streit, Intrigen. Da konnten in dieser Saison nur die Herren Doll, Hoeneß und Völler mithalten. Doch wer weiß, was noch kommt? Wir blicken voraus auf die letzte Woche der Bundesligasaison. Intrigenstadel Bundesligaimago images
Noch vier Tage bis zum letzten Spiel der Saison. Das ist viel Zeit. Pressekonferenz reiht sich an Pressekonferenz, Interview an Interview. Der Klub hat seine Ziele verfehlt, Schuldige werden gesucht. Es wartet ein Knäuel von Mikrofonen, ein Wald von Kameras. Es ist die beste Zeit, die Hüllen fallen zu lassen, die erzwungene Geschlossenheit à la CSU abzuwerfen wie ein zu enges Hemd und mal zu sagen, was man wirklich denkt.

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Beispiel: »Der Präsident ist eine Schande für den Verein. Der Fisch stinkt vom Kopf, und der Kopf ist der Präsident.« Jawollja. Das hat gesessen. Wahrer hätte der Gefühlsausbruch nicht sein können, den Stefan Ziffzer, Geschäftsführer Finanzen des TSV 1860 München, am Sonntag herauspolterte. Das ist seine Meinung über Präsident Albrecht von Linde. Jeder wusste das seit langem. Schöner hätte er es nicht sagen können.

Der angesprochene Herr Linde musste seine Nerven mit einem Schnaps beruhigen. Vorher hatte er vor Zeugen seinen Geschäftsführer noch im Stadion gefeuert.

Beim TSV 1860 München ist verwunderlich, warum sich nicht RTL II einkauft, den ganzen Laden mit Kameras bestückt und das anschließend als Reality-Soap zur Primetime anpreist. Früher gab es ein paar hundert Meter weiter den »FC Hollywood« samt dem Urtypus des Pressekonferenz-Ausrasters (»Was erlauben Struuunz!« Danke, Trap!). Heute darf sich der Münchner Boulevard über den »TSV Krieg der Funktionäre« freuen.

Blablabla, populistische Scheiße, Füße aus Malta

Man muss dem geschundenen Zweitligisten dankbar sein, dass er das weichgespülte Fußballgeschäft regelmäßig mit Emotionen auflockert. Endlich Wut, Streit, Intrigen. So etwas ist selten geworden. In der Saison 2007/08 sind in dieser Hinsicht lediglich aufgefallen:

1. Thomas Doll, Trainer Borussia Dortmund: »Das ist doch alles blablabla, ist das doch alles blablabla. Da lach' ich mir doch den Arsch ab.« Und das, weil die Presse ständig auf den Trainer »einnagelt«.

2. Uli Hoeneß, Manager FC Bayern, auf den Vorwurf von Stehtribünen-Besuchern während der Jahreshauptversammlung des Vereins, die Stimmung im Stadion sei schlecht: »Das ist doch populistische Scheiße. Wer glaubt ihr, wer euch finanziert? Die Leute in den Logen, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen. Wer glaubt ihr, wer ihr seid?«

3. Rudi Völler, Sportdirektor Bayer Leverkusen, über den DFB-Elf-Manager Bierhoff: »Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht. Er sollte sich in den nächsten Tagen bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen lassen. Das permanente Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen.«

Diese Sätze werden die Saison überleben wie die Dribblings von Franck Ribéry und die Abstauber von Luca Toni.

Club nach Jena?

Was man noch erwarten kann in der letzten Saisonwoche? Wird Herr Pagelsdorf in einer Pressekonferenz den Abstieg in Rostock dem unfähigen Manager ankreiden? Wird Herr Veh in Stuttgart dem Torwart Schäfer ein ehrliches Zeugnis ausstellen (der Titel »Fliegenfänger« ist seit Walter Junghans weitgehend unbesetzt) oder wird Herr Präsident Roth den gesamten 1. FC Nürnberg verfluchen, ganz Franken gleich dazu, alle Mitarbeiter samt Trainer und Spieler entlassen und den Verein versetzen? Nach Jena zum Beispiel. Die Stadt sehnt sich nun wieder nach einem Bundesligaklub, und Hans Meyer würde sich bestimmt zum Comeback überreden lassen.

Doch bei all diesen Mutmaßungen ist nur eines sicher: Der TSV 1860 München spielt am Sonntag in Aue; und es wird ganz viele Pressekonferenzen und Interviews geben.