Immer da, wo's brennt

Dantes Inferno

Das 1:7 Brasiliens gegen Deutschland war Schmach genug für ein Fußballerleben. Nun musste sich Dante auch noch 1:5 von den Bayern schlagen lassen. Was hat er bloß verbrochen?

Imago

Lewandowski, Lewandowski, Lewandowski, Lewandowski, Lewandowski. So stand es gestern Abend auf der Anzeigetafel, so steht es heute in den Zeitungen, aber das erklärt überhaupt nichts. Es ist ein sämtliche Statistiken und Vorhersagbarkeiten aushebelndes Ereignis, das man nur hinnehmen kann wie den plötzlichen Einschlag eines Kometen, den kein Weltraumteleskop hat kommen sehen. Wäre der Gegner des FC Bayern nicht Wolfsburg gewesen, sondern der HSV, der Dinosaurier der Liga, er hätte mit Fug und Recht und endgültig aussterben können.

Das gibt es doch nicht!

»Die Leute fragen mich: Was ist da passiert? Ich antworte: Ich weiß es nicht!«, sagte selbst Pep Guardiola, der sonst so ziemlich alles erklären kann. Aber vielleicht werden Fußballhistoriker eines Tages, wenn sie alte Kontaktbögen sichten, eine Entdeckung machen, die einen verborgenen Zusammenhang erkennbar macht: Schaut mal, der Mann mit der grotesken Frisur, ist das nicht dieser Dante? Und stand der nicht auch schon beim 1:7 Brasiliens gegen Deutschland im WM-Halbfinale 15 Monate zuvor auf dem Platz? Das gibt es doch nicht!

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Es ist wie im Film »12 Monkeys«, in dem der Zeitreisende James Cole aufgrund eines Versehens der Wissenschaftler durch die Epochen geschleudert wird: 2035, 1990, 1996, dann findet er sich mit einem Mal in den Gräben des Ersten Weltkriegs wieder. Vergilbte Fotos zeigen ihn später mit einer Schusswunde im Bein. Dieser geheimnisvolle Mann scheint stets dort aufzutauchen, wo akute Lebensgefahr für ihn besteht. Oder hat er die Katastrophen womöglich selbst provoziert? Das kann doch kein Zufall sein!



Nun ist Cole ein Schwerkrimineller, der sich freiwillig zu dieser wahnwitzigen Expedition gemeldet hat, um begnadigt zu werden. Was aber hat der arme Dante eigentlich verbrochen, der netteste Mensch der Bundesliga? Und warum muss er noch nicht einmal durch die Zeit reisen, um sich gleich zwei Mal in den schlimmsten Schützengräben wiederzufinden, die im Fußball vorstellbar sind – beim 1:7 im Juni 2014 und beim 1:5 gestern Abend?