Im Protokoll: Wie Mohamed Salah entdeckt wurde

»Wir waren bei Mo zunächst skeptisch«

Georg Heitz holte als Sportdirektor des FC Basel den Stürmer Mo Salah nach Europa. Erst ein Testspiel gab dafür den Ausschlag. Das hing auch mit einem Spieler des FC Bayern zusammen.

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Georg Heitz arbeitete jahrelang als Sportdirektor des FC Basel. Hier erzählt er vom Transfer von Mo Salah im Jahr 2012. Das komplette Porträt von Mo Salah findet ihr in unserem aktuellen WM-Sonderheft, ab heute im Handel.

Unseren Scouts ist Mo erstmals bei der U20-WM in Kolumbien im Jahr 2011 aufgefallen. Wir waren allerdings noch etwas skeptisch. Schließlich haben wir einen Nachfolger für Xherdan Shaqiri gesucht, der beim FC Basel eine sehr große Nummer war.

Wir haben im Jahr darauf ein Testspiel gegen die ägyptische Olympiamannschaft vereinbart, um Mo noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Er spielte nur eine Halbzeit, schoss aber direkt zwei Tore. Wir haben ihn dann noch einmal eine Woche zum Training bei uns eingeladen. Da hat er uns vollends überzeugt.

Innerhalb von drei Monaten lernte er Englisch

Seine Qualitäten waren damals schon zu sehen: Er war sehr schnell und bewegte sich intelligent zwischen den Linien. Er ist auf dem Platz ein Schleicher. Außerhalb des Rasens war er zunächst sehr zurückhaltend, weil er sich noch nicht verständigen konnte. Nach drei Monaten allerdings sprach er schon fließend Englisch und hatte sich durch sein smartes Auftreten ins Team integriert. Er braucht eine gewisse Lockerheit für sein Spiel. Wer lächelt, der empfindet den Fußball trotz all der Unsummen als ein Spiel – so ist es bei Mo.

Doch der Eindruck soll nicht täuschen: Er ist trotzdem total fokussiert und wenn man ihn auswechselt, kann er schon wütend und aufbrausend werden. Da braucht er besondere Aufmerksamkeit und Vertrauen. Jürgen Klopp findet dabei augenscheinlich eine gute Mischung.


Georg Heitz

Mo ist ein Schleicher

Die Schweizer Öffentlichkeit ging anfangs hart mit Mo ins Gericht und verspottete ihn als Chancentod. Das war übertrieben, denn die meisten Beobachter übersahen, wie hart er sich anstrengte. Mo erarbeitete sich sehr viele Chancen, im entscheidenden Moment fehlte ihm aber dann die Kraft. Im Laufe der Zeit lernte er, ökonomischer zu spielen. Flugs gelangen ihm auch die wichtigen Tore wie im Europapokal gegen Chelsea.

Mir war klar, dass wir als FC Basel einen Spieler dieser Kategorie nicht würden halten können. Liverpool hatte 2013 sogar noch vor Chelsea um ihn geworben, aber das Rennen zunächst verloren – Mo entschied sich für London. Er war unglaublich talentiert, doch diesen Werdegang wie in dieser Saison konnte keiner vorausahnen. Jeder, der etwas anderes behauptet, der lügt. Viele vergleichen ihn gerade mit Messi und Ronaldo. Die beiden haben jedoch über fast zehn Jahre ihre Klasse immer wieder bestätigt. Das hat Mo noch vor sich.

Sie kaufen einen Rolls Royce!

Was mir bei seinem Transfer bis heute noch im Kopf geblieben ist, sind die kuriosen Verhandlungen in Ägypten. Er spielte bei den »Arab Contractors«, einem Firmenklub, der dem größten Baukonzern des Nahen Ostens gehörte. Ich sprach vier Stunden lang mit Offiziellen, um dann herauszufinden, dass diese gar nicht entscheiden konnten. Erst danach wurde ich zum CEO der Firma geleitet, der mir eröffnete: »Wenn Sie einen Rolls Royce kaufen wollen, dann müssen Sie auch für einen Rolls Royce bezahlen.«

Vorher war eine Ablöse in Höhe von 700 000 Euro verabredet gewesen, allerdings nicht schriftlich fixiert. Der Preis war an diesem Tag aber noch mal rapide in die Höhe gestiegen. Das war überraschend, letzten Endes konnten wir uns aber doch einigen (Medienberichten zufolge lag die Ablösesumme bei 2,2 Millionen Euro, die Red.). Zwei Jahre später schaltete ich die TV-Nachrichten an und sah einen Bericht über den neuen ägyptischen Ministerpräsidenten (Ibrahim Mahlab, die Red.). Es war der CEO, der mit mir über Mo verhandelt hatte!