Im Internet sitzen Sie in der ersten Reihe

Lieblingssender: Youtube

Manche Sportereignisse wie der Uefa-Cup sind nicht im deutschen TV zu sehen. Doch die Fans wissen sich zu helfen: Sie weichen auf Internet-Portale wie Youtube aus. Die Sendeanstalten reagieren bisher noch nicht.  Im Internet sitzen Sie in der ersten ReiheImago Es war die unsichtbare Sensation des vergangenen Uefa-Cup-Spieltags: Werder Bremen trotzte dem AC Mailand ein 2:2 ab und erreichte so das Achtelfinale.

In Deutschland war die Bremer Leistung in San Siro nicht im Fernsehen zu bestaunen, weder live noch als Zusammenfassung. Erst um 1.30 Uhr nachts, also 300 Minuten nach Spielende, gab es auf der Homepage von Werder Bremen die Tore zu sehen. Manche Zeitung schrieb, dass dies die exklusivsten Bilder der Uefa-Cup-Zwischenrunde waren.

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Das stimmt nicht: Bereits wenige Minuten nach Spielschluss gab es auf der Plattform Youtube eine vierminütige Zusammenfassung des Spiels, kommentiert von einem russischen Reporter, der so euphorisch sprach, als würde er eine Kreisliga-Partie im Schach beschreiben. 15 Minuten später war das Video mit Hinweis auf Urheberrechtsverletzung gelöscht - doch nach kurzer Suche gab es die gleichen Bilder erneut, diesmal mit arabischem Kommentar. Wenig später folgte die Version mit einem deutlich enthusiastischerem türkischen Reporter.

Die Bilder waren da, sie waren zu sehen - und sie wurden häufig gesehen. Mehr als 20.000 Zugriffe hatte die russische Version innerhalb weniger Minuten, die anderen beiden erreichten nur knapp weniger. Die deutschen Fußballfans wissen mittlerweile, dass es diese Video-Schnipsel gibt - von Uefa-Cup-Spielen über Ausschnitte von Bundesliga-Partien kurz nach Spielschluss bis hin zu den Höhepunkten englischer, italienischer und amerikanischer Sportereignisse, die es sonst gar nicht zu sehen gäbe.

Die Bilder vom 0:0 des FC Bayern bei Werder Bremen? Sie sind im Netz. Der 105:95-Sieg der Detroit Pistons über den amtierenden NBA-Meister Boston Celtics? Im Netz. Eine Zusammenfassung des Carling-Cup-Finales zwischen Manchester United und den Tottenham Hotspurs? Im Netz.

Selbst historische Sportereignisse wie den Boxkampf zwischen Muhammed Ali und Joe Frazier sind zu sehen, es sind 15 Clips mit je einer Runde. Es ist alles da, kostenfrei empfangbar - und wer über eine gute Internetverbindung verfügt und seinen Computer an den Fernseher anschließt, wird kaum Qualitätsverluste bemerken.

Freilich ist die Bereitstellung der Videos grundsätzlich rechtswidrig. Auch das Herunterladen und Anschauen befindet sich in einer Grauzone - die der Illegalität näher ist als dem Legalen, wie Juristen stets betonen. Vor allem das Ansehen von Live-Streams ist nach Ansicht von Juristen rechtswidrig. Plattformen wie Youtube dagegen sind legal, sie entfernen die Videos und stellen einen Hinweis zum Urheberrecht dazu, aber es erinnert alles an das Hase-Igel-Spiel.

Kaum ist etwas im Netz, wird es kopiert und weitergeleitet. Die Hoffnung von Klubs, Verbänden und TV-Konzernen, ein Ereignis exklusiv ausschlachten zu können, löst sich in den Weiten des Internets auf.

Im Fall von Bundesliga-Zusammenfassungen ist der Ärger der Sender verständlich, schließlich gibt es die Bilder nur wenig später im frei empfangbaren TV. Der Fan könnte also warten, die Spiele werden zeitnah genug ausgestrahlt. Im Fall des Uefa-Cup-Spiels von Werder Bremen jedoch wurden die Fans dazu provoziert, sich im Netz zu bedienen.

In den USA ist das anders

Kein Sender wollte das Spiel zeigen. DSF-Chefredakteur Sven Froberg: »Wir haben das Spiel geprüft, die Lizenzkosten waren für uns allerdings nicht refinanzierbar.« Nicht einmal der Pay-TV-Sender Premiere schlug zu. »Wir übertragen alle Uefa-Cup-Spiele ab dem Viertelfinale. Ein darüber hinausgehendes Engagement kam für uns nicht in Frage«, sagte Premiere-Sprecher Ralph Fürther.

Der Fan hätte also nicht einmal dann etwas sehen dürfen, wenn er dafür hätte zahlen wollen. Es gab keine Möglichkeit - außer den womöglich illegalen Umweg über das Internet, den dann viele Fans wählten.

In den Vereinigten Staaten ist das anders: Wer ein Spiel, einen Boxkampf oder ein Autorennen sehen möchte, der kann das auf jeden Fall tun. Manche Ereignisse sind frei empfangbar, andere gibt es im Kabelfernsehen. Für Großereignisse muss der Zuschauer explizit bezahlen - bis zu 60 Dollar etwa für einen Weltmeisterschafts-Kampf im Boxen. Es kommt jedoch nicht vor, dass ein wichtiges Ereignis gar nicht übertragen oder nicht auf legalem Weg empfangbar ist.

Man muss nicht amerikanische Verhältnisse fordern. Man sollte nur jedem Fan die Möglichkeit geben, ein wichtiges Spiel seiner Lieblingsmannschaft live zu verfolgen - oder ihm zeitnah eine Zusammenfassung anbieten. Notfalls muss er dafür eben bezahlen. Aber ein Ereignis gar nicht zu zeigen, das sollte es zu Zeiten von Dutzenden Fernsehsendern und Pay-TV-Angeboten nicht mehr geben.

Ansonsten könnte es tatsächlich sein, dass der Lieblingssender von Sportfans bald Youtube heißt.


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