Ihr seid Helden

Die Bundesliga in den Blogs (24)

Dortmund macht sein Meisterstück in München, Rene Adler hat den Kaffee auf – und Schalke schreibt die Bundesliga augenscheinlich ab. Das alles und mehr in der Blogschau von 11FREUNDE. Ihr seid Heldenimago

Bayern – Dortmund 1:3 (1:2)

»Ihr seid Helden«, attestiert Any Given Weekend den ersten Dortmunder Siegern in München seit 20 Jahren. »Selbst die Topstars der Bayern verzweifelten gestern an einem BVB voller Selbstbewusstsein und Leidenschaft. Drei Tage nach der Bayern-Gala in San Siro folgte der Borussen-Ball in der Arroganz-Arena… Es war ein magischer Abend, wir hatten elf junge Helden auf dem Platz und das wurde von den ganz offensichtlich und wenig überraschend stimmlich überlegenen Fans im Stadion entsprechend gefeiert.« Hamburg Schwarz-Gelb freut sich diebisch über die Machtdemonstration: »Hätten wir verloren müssten wir wohl überall lesen, dass wir eigentlich nur deutscher Meister geworden sind, weil sich Robben in der Hinrunde verletzt hat. Nun hat er aber gespielt, der Überflieger und was hat es ihnen genützt? Nein, wir werden nicht deutscher Meister von Gnaden des FC Hollywood, wenn wir es werden, dann weil wir dieses Jahr einfach besser sind als die. Der BVB ist die beste Mannschaft der Saison 10/11.«

Auf der Verliererseite gibt man sich fair. »Herzlichen Glückwunsch, Borussia Dortmund. Soviel Zeit muss sein«, schreibt Breitnigge. »Zu einer großartigen Saison, zu all den Rekorden, zu einer seltenen Überlegenheit in der Liga und ganz im Besonderen zu einer fast fehlerlosen Leistung beim Gastspiel in München.« Doch natürlich sitzt der Stachel tief: »Ich bin total angefressen, dass wir seit einiger Zeit im 2-Jahresrhythmus von irgendeiner Fahrstuhlmannschaft um den Titel gebracht werden. Erst Stuttgart, dann Wolfsburg und jetzt der BVB.« Wobei man dazu fairerweise sagen muss: Der schwarz-gelbe Fahrstuhl fährt seit drei Jahren schnurstracks nach oben.

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Bremen – Leverkusen 2:2 (0:1)

catenaccio hadert mit dem Gegentor in letzter Minute – aber auch mit der Spielweise der Leverkusener. »Normal wäre es gewesen so einen Vorsprung zu verwalten. 1-2 Konter zu fahren und dann auf 3:0 oder 4:0 zu erhöhen. Dann aber kam alles anders. Kießling versenkte zunächst eine Flanke von Trinks im eigenen Tor, bei einen Konter für Leverkusen setzte er dann den Ball neben den Kasten des Gegners und am Ende nickte Prödl ein. Rene Adler dürfte den Kaffee aufgehabt haben.«

Über das Spiel schweigt man sich im Werder Exil wie vorgenommen aus. Doch die Personalien werden ausführlich behandelt: »Das Startelf-Debüt von Trinks hat mir gut gefallen. Warum ein Wagner den Vorzug gegenüber einem Avdic bekommt, verstehe ich allerdings überhaupt nicht. Ich habe selten jemanden gesehen, der ungefährlicher agiert. Die Idee, Hunt, Marin und Arnautovic auf die Bank zu setzen, fand ich gar nicht verkehrt. Ich werde das Gefühl nicht los, dass gerade Hunt und Arnautovic den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt haben.«

Schalke – Nürnberg 1:1 (0:1)

»Schalke 04 versuchte das Spiel gegen den 1. FC Nürnberg mit halber Kraft zu gewinnen und musste erkennen, dass dazu die Klasse fehlt«, schreibt der Königsblog. »Das Ergebnis waren weitere Punktverluste und ein erneut enttäuschtes Publikum.« Die Prioritäten sind für die Verantwortlichen andere, meint der Autor: »Mittwoch, in München um 20:30 Uhr wird Schalkes Hail-Mary-Spiel der Saison 2010/2011 angepfiffen. Eine Woche später geht es in Gelsenkirchen gegen Valencia vor allem um viel Geld. Felix Magath störte das von Unzulänglichkeiten geprägte Schalker Spiel gegen Nürnberg also nicht. Mich schon, und rund 90% der 61.431 Zuschauer auch.« Auch der Schalkefan richtet den Blick nun wieder nach unten: »24 Spiele, 30 Punkte – wird dieser Schnitt beibehalten, beendet Schalke die Spielzeit mit 42 Zählern und damit aller Erfahrung nach über dem Strich. Seit Samstag ist es erlaubt in diesen Kategorien zu denken.«

Auf Nürnberger Seite führt belschanov von den Clubfans United Zwiesprache mit sich selbst. Das liest sich dann so: »Hör auf, zu nörgeln, belschanov, und freu dich! Hättest du gedacht, dass der Club vier der ersten sieben Rückrundenspiele gewinnt und zweimal unentschieden spielt? Hättest du gedacht, dass der Club zehn Spieltage vor dem Saisonende 36 Punkte hat und auf Platz acht im gesicherten Mittelfeld steht? Hättest du das gedacht? - Nein, hätte ich nicht gedacht. – Dann freu dich und sei zufrieden! - Is ja gut, Freunde. Is ja gut.«

Kaiserslautern – Hamburg 1:1 (1:0)

»Es ist eine Saison zum vergessen«, seufzt Ned Fuller. »Ein Punkt in Kaiserslautern zu holen ist bestimmt nicht schlecht. Mich wurmt es nur so, daß wir einmal in 90 Minuten Fußball spielen und ein Tor schießen. Wir können es also doch. Zeigen es eben nur nicht häufig genug. Wie so häufig, in dieser Saison.« In Pleitegeigers Weblog wird derweil eine wilde These aufgebracht: »Ich glaube, der HSV hat es sich insgeheim zum Ziel gemacht, Wer da? in die zweite Liga zu bringen. Denkt doch mal nach! Es macht alles Sinn. Die Punkte, die wir immer bei Gegnern im unteren Tabellendrittel liegen lassen… Sie helfen anderen da raus und stoßen Werder weiter rein.« Interessantes Gedankenspiel allemal…

Der Betze brennt macht derweil »erstmals echte Unruhe beim FCK« aus. Natürlich werden auch die Anfeindungen gegen Stürmer Srdjan Lakic aufgearbeitet. Die Beschreibung der Szenen vor der Westkurve endet mit dem Fazit: »Sehr chaotische Minuten, die wohl noch einige Tage für Gesprächsstoff sorgen und mit Sicherheit auch weitere Reaktionen hervorrufen werden. Ob das Verhältnis zwischen Fans und Stürmer noch zu kitten ist? Einfacher wurde die Gesamtsituation durch diese Vorkommnisse jedenfalls nicht.«

Und sonst so?

»Endlich mal wieder ein dreckiger Sieg«, freut sich der 05er Fanblog über das Mainzer 2:1 gegen Hoffenheim. »Auch wenn einige Spieler nicht auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit waren (Soto und Ivanschitz sowie Heinz Müller) so reichte die geschlossene Mannschaftsleistung um den Sieg nach Hause zu fahren!«

Samba Köln ist nach dem fünften Heimsieg in Folge natürlich freudig gestimmt. »Den entscheidenden Treffer erzielte Poldi kurz vor Schluss aus vollem Lauf mit einem sensationellen Heber aus 25m. WAHNSINN! Tor des Monats mindestens!«

Das 11FREUNDE-Fazit:

Zwei Tore Unterschied. Sie hatten ja Recht, die Bayern-Bosse. Letzte Fragen beantwortet. Wer noch Zweifel am Ausgang der Deutschen Fußballmeisterschaft 2011 hatte, der weiß nun Bescheid. Und nur um das noch einmal klarzustellen: Der Dortmunder Erfolg ist weder eine zufällig ins Zimmer geschwirrte Eintagsfliege, noch eine Anhäufung von glücklichen Fügungen. Er ist das Produkt andauernder Mühen und vieler umsichtiger Entscheidungen. Wie hat Klopp vor einigen Wochen gesagt? „Wir arbeiten wie die Tiere!“ Nun, zwei Chancen hat ja das Biest aus dem Süden noch, am Ende auch ein bisschen animalischer Feierlust frönen zu dürfen. Viel Glück.