Ibisevic und die 40-Tore-Marke

Der den Bomber jagt

Wenn Vedad Ibisevic exakt so weiter trifft wie bisher, muss sogar Gerd Müller bangen. Er würde bei einer Hochrechnung am Saisonende auf 38,86 Treffer kommen – nur 1,14 weniger als der »Bomber« 1972. Ibisevic und die 40-Tore-Markeimago images
Ibisevic, dem am Samstag beim 1. FC Köln (3:1) der fünfte Doppelpack in der laufenden Saison gelang, ist mittlerweile sogar eine neue Bestmarke zuzutrauen. Für Trainer Ralf Rangnick ist der Stürmer jedenfalls ein Phänomen. »So etwas habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht erlebt. Er trifft ja auch im Training nach Belieben«, sagte der Coach über den Angreifer, den er im Juni 2007 für eine Ablösesumme in Höhe von 1,2 Millionen Euro von Alemannia Aachen zum damaligen Zweitligisten geholt hat.

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Ibisevic, der nach eigenen Angaben gerne Schauspieler geworden wäre und der es momentan auf dem Platz ebenso krachen lässt wie sein Idol Vin Disel in so manchem Action-Film, wird der Erfolg selbst langsam unheimlich. Schließlich hatten in der bisherigen Bundesliga-Historie nur Müller (20 und 19) sowie Peter Meyer (17) nach dem 14. Spieltag mehr Treffer erzielt. »Ehrlich gesagt, finde ich das auch nicht normal«, meinte der Torjäger dazu.

Ein durchwachsener Start


Der kometenhafte Aufstieg von Ibisevic ist vor allem angesichts seines Werdegangs bei 1899 überraschend. Denn nach dem Wechsel des Bosniers nach Hoffenheim sah es zunächst nicht nach einer Liebesbeziehung zwischen dem 24-Jährigen und den Kraichgauern aus. Da die Hoffenheimer damals den Saisonstart verpatzten und es an Geld beim Klub von Mäzen Dietmar Hopp nicht mangelt, holte man in Demba Ba sowie Chinedu Obasi zwei weitere Stürmer. Ibisevic musste anschließend mit einem Platz auf der Reservebank vorlieb nehmen.

Doch ausgerechnet in dieser Situation zeigte der Angreifer seine große Charakterstärke, die ihm große Sympathien innerhalb der Mannschaft einbrachte. Anstatt auf Konfrontationskurs mit den neuen Konkurrenten zu gehen, half Ibisevic den beiden Afrikanern aus dem Senegal und Nigeria bei der Integration im neuen Umfeld. »Für mich war das selbstverständlich. Ich hätte bei meinen Wechseln zu anderen Klubs auch gerne jemanden gehabt, der mir geholfen hätte«, sagte der bosnische Nationalspieler, dessen bisheriger Lebensweg als Erklärung für seine selbstlose Einstellung dienen kann. Der aus der Kleinstadt Vlasenica bei Sarajevo stammende Ibisevic floh als Kind mit seiner Familie vor dem damals tobenden Balkankrieg über die Schweiz in die USA. In einem College-Team von St. Louis wurde der Stürmer von europäischen Scouts entdeckt. Über Paris St. Germain und Dijon FCO kam Ibisevic dann nach Aachen und schließlich nach Hoffenheim.

Dort will Ibisevic auch in den kommenden Monaten für Furore sorgen. »Ich bin froh, dass es so läuft. Ich werde einfach weiter arbeiten wie bisher«, erklärte der Angreifer, der sich noch einen ganz großen sportlichen Traum erfüllen möchte: »Vielleicht einmal Champions-League-Sieger mit Hoffenheim werden.«