Hummels/Boateng haben Mertesacker verdrängt

Hummels, der Gigant

In der Kombination Jerome Boateng/Mats Hummels sieht Löw sein Anforderungsprofil in der Innenverteidigung derzeit wohl am besten erfüllt. Gegen die Franzosen ragte vor allem der Dortmunder Hummels aus der starken deutschen Viererkette heraus. »Hummels ist ein Gigant«, schrieb die »Gazzetta dello Sport« nach dem Viertelfinale. An Hummels zerschellten die Attacken der Franzosen wie an einem Felsen im Meer. Mit dem Fuß, mit dem Bein, mit dem Knie, selbst mit seinen Bauchmuskeln stoppte er ihre Angriffe, vor allem Karim Benzema scheiterte immer wieder an dem 25-Jährigen. »Es ist sensationell, wie er die Zweikämpfe bestreitet«, sagte Löw. »Er steht immer, er ist immer in den Zweikämpfen drin. Er gewinnt die Zweikämpfe.«

Hummels ist die klare Nummer Eins

Dass das Turnier Hummels in der Hierarchie der Abwehrspieler ganz nach oben spülen würde, war vor der WM nicht zu erwarten gewesen. Zum einen hatte der Dortmunder einen Teil der Rückrunde verletzungsbedingt verpasst; zum anderen galt Joachim Löw bisher nicht als großer Anhänger des Dortmunders. Niemand konnte den Bundestrainer so leicht in Wallung versetzen wie Mats Hummels. Noch in der Vorbereitung deutete einiges darauf hin, dass Mertesacker und Boateng im Zentrum verteidigen würden. Inzwischen aber ist Hummels die klare Nummer eins. Er spielte gegen Ghana, obwohl er zuvor wegen einer Verletzung nur eingeschränkt trainiert hatte, und er stand auch nach seiner Erkältung gegen Frankreich wieder in der Startelf.

Neben seinen Defensivqualitäten besitzt Hummels auch in der Offensive einen besonderen Mehrwert für die Mannschaft. »Der Mats ist im offensiven Kopfballspiel eine unglaubliche Waffe«, sagt Löw. Schon gegen Portugal traf er nach einem Standard von Toni Kroos, gegen Frankreich erneut. »Eine Methode steckt nicht dahinter«, sagte Hummels. »Ich hatte einfach das Glück, am rechten Fleck zu stehen.« In der Bundesliga ist ihm das zuletzt selten gelungen, da »war ich ein bisschen unzufrieden mit meiner Kopfballausbeute«. Nur drei Tore erzielte Mats Hummels in den jüngsten beiden Spielzeiten. In der Nationalmannschaft hat er das in den vergangenen acht Länderspielen geschafft.