HSV-Fans erheben schwere Vorwürfe

Ordner mit Teppichmesser?

Das Fan-Projekt des HSV erhebt schwere Vorwürfe: Beim Spiel in Leipzig sollen Fans unter den Augen der Polizei von Ordnern attackiert worden sein. Verein und Polizei bestreiten dies. 

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Mit dem Timing ist es ja so eine Sache. Während Fußballdeutschland noch über die Sperrung der Südtribüne diskutierte und die Heimkurve von RB Leipzig im Spiel gegen den HSV mit zahlreichen Spruchbändern gegen Gewalt im Fußball Stellung bezog, sieht sich RB Leipzig nun selbst mit Gewalt-Vorwürfen konfrontiert.

Fans K.o. geschlagen

Das zumindest werfen mittlerweile sowohl das Fan-Projekt des HSV als auch die Fanhilfe Nordtribüne den Sachsen in zwei Statements vor, die in den sozialen Medien veröffentlicht wurden. Das Fan-Projekt spricht von vom Ordnungsdienst verübten »gezielten und geplanten gewalttätigen Attacken auf umstehende HSV-Fans, ob sie nun zur aktiven Fanszene gehörten oder nicht.« Nach einer Ingewahrsamname eines HSV-Fans sei es zu Protesten gekommen, im Zuge derer die Anhänger immer wieder von Ordnern attackiert worden seien. Ein HSV-Anhänger sei dabei K.o. geschlagen worden, musste medizinisch behandelt werden und hat Anzeige erstattet. Schwere Vorwürfe erhebt das Fan-Projekt auch gegenüber den anwesenden Polizisten, die »passiv das Geschehen verfolgten.«

Zückte Ordner ein Teppichmesser?

Diese Berichte werden gestützt vom Statement der Fanhilfe Nordtribüne, die sogar noch einen Schritt weitergeht. So hätten die RB-Ordner mit Fahnenstangen auf die Fans eingeschlagen, ein Ordner habe sogar ein Teppichmesser gezückt, dies aber glücklicherweise nicht eingesetzt. Auch die Fanhilfe wirft der Polizei Untätigkeit vor.

Polizei widerspricht

Die Polizei Sachsen widersprach diesen Vorwürfen ihrerseits in einem Statement: »Nach dem Spiel kam es auf der Dammkrone hinter dem Gästeblock zu Auseinandersetzungen zwischen Fans des HSV und dem Ordnerpersonal, nachdem zuvor die Polizei Identitäten von zwei Hamburger Fans feststellte, die im Verdacht stehen, während des Spiels im Gästeblock Pyrotechnik abgebrannt zu haben.« Die Gewalt sei dabei von den Fans ausgegangen: Ordner seien »durch Hamburger Fans mit Holzstangen angegriffen und verletzt« worden, so die Polizei. Bislang sei nur die eine einzige Anzeige wegen Körperverletzung bei der Polizei eingegangen, außerdem eine Anzeige wegen Beamtenbeleidigung und eine wegen der verwendeten Pyrotechnik. Weitere, neue Ermittlungsergebnisse lägen nicht vor. Der Verein schloss sich dem Statement der Polizei an und teilte ein Statement des beschäftigten Sicherheitsdienstes auf der Homepage. 


Darin ist von »Schlägen, Tritten, Bespucken und Bekippen mit Bier« von HSV-Fans gegenüber den Ordnern zu lesen. Außerdem sei mit sechs bis acht »1,50 Meter langen Rohren aus Aluminium-Guss« auf die Ordner eingeschlagen worden. »Eines dieser Rohre wurde auf den Boden geschlagen, so dass eine scharfe Schnitt- und Stichwaffe entstand.« Im Zuge der Auseinandersetzung seien fünf Mitarbeiter des Ordnungsdienstes verletzt worden. Dass ein Ordner Waffen bei sich getragen haben soll, bestreitet der Ordnungsdienst.

Wurden Ordner kurzfristig im Internet gesucht?

Ganz gleich, was hinter dem Gästeblock passierte: Für den Verein kommen die Vorwürfe zur Unzeit. Für Irritationen sorgten außerdem mehrere Links, die im Netz kursierten und auf Kleinanzeigen führten, in denen eine Woche vor dem Spiel nach Ordnern für die Partie gesucht wurde. Der Besitzer der entsprechenden Telefonnummer bestätigte, dass er Ordner gesucht habe, beendete dann allerdings das Gespräch. Der Verein wusste auf Nachfrage nichts von den Kleinanzeigen.