Horst Heldt, der Heilsbringer

Ein Manager im Höhenflug

Kein Jahr im Amt, schon scheint die Personalie Heldt ein Glücksgriff für den VfB gewesen zu sein. Selbst die Konkurrenz ist von der Renaissance des Stuttgarter Modells beeindruckt. Imago Als die Jungen Wilden dem VfB Stuttgart einst ein neues und überaus erfolgreiches Gesicht verliehen, da stand er selbst noch auf dem Platz. Seine langjährige Erfahrung vermengte sich mit der unbekümmerten Spielweise von Kuranyi, Hinkel, Lahm und Hleb und machte auch auf europäischer Bühne mächtig Eindruck. Dann aber wurde vieles anders und nichts besser. Vernichtend ist vor allem das Urteil über die Transferpolitik, die eine aufregende Mannschaft in die Grauzone der Liga überführte. Auf dem Höhepunkt der Krise wechselte Horst Heldt quasi über Nacht den Beruf – vom Spieler zum Teammanager. Es war eine gute und längst überfällige Entscheidung der Schwaben.

Denn knapp ein Jahr nachdem Horst Heldt die sportliche Verantwortung übernahm, ist das Stuttgarter Modell wieder en vogue. Der VfB steht auf Tabellenplatz zwei und hat mit Mario Gomez einen neuen Hoffnungsträger. Die Jungen Wilden die Fortsetzung. Vergessen scheint das Chaos, das die Trainer Matthias Sammer und Giovanni Trapattoni hinterlassen hatten. Heldt wird dabei immer öfter als Heilsbringer identifiziert, der es schaffte mit diesen Altlasten aufzuräumen. Davon hat auch die Konkurrenz Wind bekommen. „Er ist einer von wenigen Bundesliga-Managern, dem ich zutraue, dass er ein ganz Großer wird“, lobte zuletzt Manager Uli Hoeneß.

Die Fortsetzung

Der am 3. Januar zum Vorgesetzten der Profis beförderte Heldt hat keine lange Anlaufzeit benötigt und sich sofort an die Arbeit gemacht. Kurz nach seinem Amtantritt präsentierte er den neuen Trainer Armin Veh und überzeugte bei der Wahl der Neuzugänge. Darüber hinaus behielt sich Heldt vor, weiterhin nah an der Mannschaft zu sein, um gerade den hochtalentierten Nachwuchskräften die nötige Unterstützung und Anleitung zu geben. Es war der letzte Feinschliff vor der Leistungsexplosion. Verständlich also, warum der zweimalige Nationalspieler bei der zurückliegenden VfB-Mitgliederversammlung den meisten Beifall erntete.

Und so klopft sich VfB-Präsident Erwin Staudt heute noch für seine Entscheidung zu Gunsten von Heldt auf die Schulter. „Trotz aller Unkenrufe hat sich gezeigt, dass es richtig war, ihn von der Sporthose in den Anzug zu stecken. Er versteht etwas vom Fußball, hat sofort Verantwortung übernommen und sich nicht versteckt. Zudem arbeitet er sehr kooperativ“, sagte der Klubchef, der es derzeit genießen dürfte, nicht im Fokus der Medien zu stehen. Doch trotz aller Lobgesänge, der momentan guten Stimmung rund um den Cannstatter Wasen und der zuletzt positiven Entwicklung hat Heldt in seiner kurzen Amtszeit die Gesetze des Alltags verinnerlicht: „Der Fußball ist ein Tagesgeschäft. Was heute gut ist, kann morgen schon wieder schlecht sein. Es kann ganz schnell wieder Gegenwind geben.“ Das weiß man in Stuttgart schließlich aus eigener Erfahrung.
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