Hooligans überfallen Schalker Arena

Sie spucken auf uns

Am Samstag attackierten Münchner und Bochumer Hooligans die Schalker Arena. Es war ein Angriff auf Unbeteiligte – und ein zynisches Spiel mit deren Angst.

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Haben wir in diesen Tagen des Terrors und der Angst davor vielleicht gedacht, dass unser Zusammenleben nur von außen bedroht sei? Haben wir vielleicht gedacht, unsere Gesellschaft sei eine mehr oder weniger harmonische Patchworkfamilie? Dass wir einander das Leben nicht schwerer machen, als es ohnehin schon ist?

»Ein extrem gewalttätiger Übergriff«

Wenn es so war, müssen wir diese Vorstellung seit Sonnabend endgültig als Kitsch abtun. Im Vorfeld der Partie des FC Schalke 04 gegen den FC Bayern versuchten etwa 150 Hooligans aus der Münchner und Bochumer Szene, etliche von ihnen vermummt und mit Schlagwerkzeugen bewaffnet, im Kassenbereich Nord die Arena zu stürmen. Zahlreiche Menschen wurden dabei teils erheblich verletzt, unter ihnen unbeteiligte Stadionbesucher, auch Frauen und Kinder. Die Polizei sprach von einem »extrem gewalttätigen Übergriff«. Ein Einsatzleiter zeigte sich »tief betroffen«.



Auch in einer weniger nervösen Atmosphäre wäre dieser Vorfall natürlich nichts anderes als ein brutaler Exzess einer Horde enthemmter Spinner gewesen, der hart bestraft werden muss. Acht Tage nach der Hölle Paris, vier Tage nach der Absage des Freundschaftsspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover und während nur 250 Kilometer westlich in Brüssel die höchste Terrorwarnstufe gilt, ist er jedoch noch mehr als das: Ein ein zynisches Spiel mit der Angst derjenigen, die sich trotz allem überwunden haben, ins Stadion zu gehen, darunter, wie gesagt, Frauen und Kinder. Nicht um dort in pathetischer Absicht für die Freiheit zu demonstrieren – sondern um sie schlichtweg zu leben. Nicht wenige von ihnen sahen sich plötzlich vermummten Angreifern gegenüber, die wahllos auf sie einprügelten, die die Gefahr einer Massenpanik billigend in Kauf nahmen, die auf die körperliche und seelische Unversehrtheit ihrer Mitmenschen spuckten und die als das bezeichnet werden müssen, was sie sind: dissoziale Sadisten. 

Krimininell und unerträglich

Mitunter kann auch die Unbill des Alltags ein Zeichen für den Frieden sein. Streit mit dem Nachbarn, Stress mit dem Chef, Gehupe im Feierabendverkehr: Solange wir uns über Kleinigkeiten aufregen können, leben wir sicher nicht im Krieg. Dass aber Testosteronjunkies ein Fußballspiel missbrauchen, um ihre primitiven Gewaltphantasien auszuleben, ist zu keiner Zeit eine hinnehmbare Zumutung des Schicksals. Es ist krimininell und unerträglich.

Man habe den Schalkern mal eben »Hallo sagen« wollen, so heißt es in einer dümmlichen Stellungnahme der offenbar Ultra-nahen Facebook-Fanseite »Südkurve München – Meine Religion«. Sie schließt mit den notorischen Worten »Fußballfans sind keine Verbrecher«. Das stimmt schon. Aber Hooligans sind keine Fußballfans. Sie sind Idioten.

Mögen sie einander in ihren schlecht gelüfteten Hobbykellern auf die Schnauze hauen, wenn sie nicht anders können. Im Umkreis eines Stadions, in der Gemeinschaft friedfertiger Menschen überhaupt, haben sie nichts verloren.