Holger Stanislawski und sein Supermarkt

Käsetheke oder Innenverteiger?

Angesichts von so viel Enthusiasmus könnte man fast denken, dass es sich beim Holger Stanislawski des Spätsommers 2014 bereits um einen ehemaligen Trainer handelt. Doch das wäre ein Irrtum, denn nach seiner Vorstellung greift sowieso eins ins andere. Was er als Trainer gelernt hat, kann er im Supermarkt gebrauchen. »Ich habe auch hier ein Team aus Mitarbeitern und eine Spielfläche, auf der ich mich bewege. Braucht man vier Innenverteidiger? Und wie viele Leute braucht man an der Käsetheke? Das liegt gar nicht so weit auseinander.« Was er im Supermarkt lernt, begreift er zudem als Managerschulung, »falls ich mich dazu entscheide, nicht mehr tagtäglich auf dem Platz zu stehen«.

Ein Supermarkt als Fortbildungsmaßnahme

Der Supermarkt ist also Fortbildungsmaßnahme und macht ihn auch unabhängiger. Nicht nur finanziell, sondern weil er was zu tun hat, das ihn interessiert, und er ein Angebot als Trainer nicht nur annehmen muss, um vom Sofa runterzukommen. Wobei: »Nach 20 Jahren durchgängig im Profifußball hatte ich im letzten Jahr keine Probleme, mich selbst zu beschäftigen.« Sehr wohl auch mit Fußball. Stanislawski ist zu einigen Spielen der Champions League gereist, oder hat Sami Hyypiä in Leverkusen und seinem alten Freund Marc Fascher bei Rot-Weiss Essen über die Schulter geschaut. Viel nachgedacht über die Trainerarbeit hat er auch, wie ein Spontanvortrag über die Kohlehydratspeicher von Ersatzspielern belegt. 

Interessante Angebote gab es seit seinem Rücktritt beim 1. FC Köln vergangenes Jahr etliche, etwa vor dieser Saison vom 1. FC Nürnberg. »Ein hochinteressanter, toller Klub, von der Tradition herausragend.« Stanislawski hätte jedoch seine Co-Trainer nicht mitbringen können, also sagte er ab. Es muss halt alles passen, so unabhängig ist er nun schon. »Natürlich gibt es Klubs, die mich wahnsinnig interessieren und für die ich hier mein aktives Engagement ruhen lassen würde.« Aber das muss keine Eile haben, die Freuden der Fleischtheke sind noch längst nicht erschöpft.