Hoeneß for President

Kein gutes Zeichen

Hoeneß sollte sich also selbst die Frage stellen, die er vor 16 Jahren dem Fußballbund stellte: Ist ein Mann, dem in hohem Maße kriminelle Energie nachgewiesen werden konnte, wirklich dazu geeignet, der Präsident des bedeutendsten deutschen Fußballvereins zu sein?

Im Profifußball sind derlei Karrierewege freilich alltäglich. Hoeneß hat in seiner langen Funktionärskarriere mit vielen zweifelhalten Honoratioren bei Großklubs verkehrt: den Berlusconis, den Gil Y Gils, den Blatters und Tapies. Aber Hoeneß war stets auch das schlechte Gewissen dieser Kaste. 

Er hat zu Recht angeprangert, wenn Vereine mit Staatsgeld subventioniert wurden, wenn Spieler zunehmend zur Ware verkamen, er hat im Kollektiv gedacht und stets auf die Vorbildfunktion des Fußballs hingewiesen. Der Bundestrainer Daum war nach seinem Werteverständnis unvorstellbar. Und er hatte den Mut, diese Bedenken öffentlich zu äußern. 

Das war´s noch nicht

Die große Frage lautet: Warum ist er nicht in der Lage, diese Maßstäbe bei sich selbst anzulegen? Warum erkennt er nicht, dass es in Zeiten, in denen die Kluft zwischen Arm und Reich wächst und den Menschen Orientierung fehlt, kein gutes Zeichen ist, wenn einer keine drei Jahre nach seiner rechtskräftigen Verurteilung genau dort weitermacht, wo er aufgehört hat?

Uli Hoeneß ist 64 Jahre alt. Er hätte einen Lebensabend als ein Gigant des deutschen Fußballs erleben können. Hätte Woche für Woche auf der Tribüne seinem FC Bayern zujubeln, sich in typischer Manier aufregen und seine Meinung in die Kameras sprechen können. Er hätte hinter den Kulissen weiter die Strippen ziehen können, so wie er es ohnehin macht, seit er als Freigänger in die Jugendabteilung des FC Bayern zurückkehrte. Die Menschen, die ihn am Freitag mit großer Mehrheit wählen, hätten ihn auch so vergöttert. 

Doch er hat sich entschieden, in offizieller Mission zurückzukehren. Er hat die Verurteilung nicht als Zäsur verstanden, als Zeichen, seinem Leben einen anderen Dreh zu geben, sondern lediglich als Ansporn, den Gerichten und all seinen Kritikern zu beweisen, dass ihn der Gefängnisaufenthalt nicht weiser, sondern stärker und mächtiger gemacht hat. »Das war’s noch nicht.«