Hoeneß for President

Hoeneß schadet dem FC Bayern

Zur Erinnerung: Als Christoph Daum einst auf dem Sprung ins Amt des Bundestrainers war, torpedierte er dessen Inthronisierung mit den Worten: »Wenn das alles Fakt ist, worüber geschrieben wurde, (...) dann kann er nicht Bundestrainer werden. Es geht darum, was sich in den letzten sechs Monaten ereignet hat (...), um seine Außendarstellung und um die Frage, ob das alles dazu geeignet ist, der oberste Trainer in einem Land wie Deutschland zu sein.«

Niemand würde ihm aus heutiger Sicht widersprechen. Er hatte die Chuzpe, auszusprechen, was viele damals dachten. Wenn Daum aber nicht in wahnwitziger Selbstüberschätzung eine Haarprobe abgegeben hätte, wäre es vermutlich das Ende der Manager-Karriere von Uli Hoeneß beim FC Bayern gewesen. Denn ohne Beweis hätte man seine Worte wohl als Rufmord eingestuft.

Hoeneß schadet dem FC Bayern

Seine Freunde, Befürworter und Wähler sagen: Jeder im Leben verdient eine zweite Chance. Die Lebensleistung von Uli Hoeneß wiegt schwerer als seine Steuervergehen. Einer wie er, ein Wohltäter und Menschenfreund, verdient Empathie. Wer würde widersprechen? Dennoch ist bemerkenswert, dass Uli Hoeneß nicht die Größe besitzt, auf eine Rückkehr in ein offizielles Amt angesichts der Sachlage zu verzichten. Glaubt er, dass ihn nur die Wiederwahl, die Rückkehr ins Zentrum in den Bundesligaalltags, von seinen Vergehen reinwäscht und sein Image aufpoliert?

Mit etwas mehr Distanz zu sich selbst müsste ihm klar sein, was er dem Verein antut, den er stets mehr geliebt hat, als alles andere auf der Welt. Er schadet nicht nur der Würde des Präsidentenamtes, er beschädigt auch das Image des FC Bayern, das Hoeneß mit aufgebaut hat. 

Stolz auf das Geld

Unter seiner Ägide entstand ein Klub, der großen Wert auf seine Redlichkeit und seine ethischen Grundsätze legte. Der stolz war auf sein Festgeldkonto. Darauf, dass er viel Geld ausgab, ohne dass irgendjemand bezweifelte, dass dieses Geld auch auf seriöse Weise erwirtschaftet worden war. Eine Institution, in der sich um verdiente Mitarbeiter gekümmert wurde und wo Fehler auch in angemessener Form bestraft wurden. 

Böswillige Kritiker sagten den Bossen an der Säbener stets einen Hang zu geheimbündlerischen Machenschaften, zum Amigo-Tum nach. Hoeneß ist es gelungen, diese Gerüchte auszuräumen und als bajuwarisches Selbstbewusstsein umzudeuten. Als: »Mia san mia«, ein Diktum, das man in diesem Verein lebte, aber auch andere leben ließ.