Hoeneß for President

Make Säbener Great Again

Uli Hoeneß lässt sich am Freitag zum Präsidenten des FC Bayern wiederwählen. Einen Gegenkandidaten gibt es nicht. Warum kann er nicht anders? 

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Timing ist keine Stadt in China. Timing hat man oder hat man nicht. Uli Hoeneß hat stets ein Näschen für die Zeichen der Zeit bewiesen. Seit der barocke Würstchen-Fabrikant wegen seines Strafverfahrens aus dem Amt schied, hat der FC Bayern in der Liga kaum mehr so schlecht dagestanden, wie in dieser Woche. Wenn er am Freitag auf demokratischem Wege als Präsident des FC Bayern wiedergewählt wird, übernimmt er die Amtsgeschäfte beim Zweitplatzierten der Bundesliga.

Eines Vereins, der neuerdings auch wieder in der Königsklassen-Vorrunde gegen russische Hinterbänkler verliert und in der Liga dem designierten Rivalen der Zukunft hinterherrennt, der verschmähten Dosentruppe aus Sachsen. Es wird Zeit, dass Papa Uli seine Prophezeiung wahr macht und wieder Zucht und Ordnung in die Sache bringt: »Das war’s noch nicht. Ich komme wieder«, hat er bei der Mitgliederversammlung im Mai 2014 gebölkt, kurz nach seiner Verurteilung. Er glaubt offenbar, dass es an der Zeit ist, die Säbener great again zu maken.

Siege und Schlagzeilen

Für Journalisten, die das Spektakel seliger FC-Hollywood-Tage vermissen, ist die Rückkehr von Hoeneß eine grandiose Nachricht. Endlich wieder einer, der selbst knappe Siege gegen Darmstadt 98 mit Bluthochdruckparolen wegmoderiert. Der Klartext in jede Richtung poltert und mit großem Eifer nach Chancen sucht, damit sein Verein neben guten Ergebnissen auch knallige Schlagzeilen liefert.

Wir werden erleben, wie sich nach der Wahl die Granden des deutschen Fußballs kollektiv vor Hoeneß verbeugen. Sie seine Rückkehr in den erlauchten Kreis der Großklub-Fürsten zelebrieren und ihm in rührenden Szenen mitteilen, wie sehr er dem Fußball doch in den letzten gut drei Jahren gefehlt hat. 

Steuersünder als Präsident

Niemand wird erwähnen, dass dort ein Mann in eines der wichtigsten Ämter im deutschen Fußball gewählt wird, der den deutschen Staat nachweislich um 28,5 Millionen Euro geprellt, nachdem er sich über viele Jahre als moralische Instanz geriert hat. Und dass nicht etwa nur auf sportlicher Bühne. 

Niemand aus der großen deutschen Fußball-Familie wird aus der Rolle fallen. Es wäre interessant gewesen, zu erfahren, wie der alte Uli Hoeneß sich in dieser Situation verhalten hätte. Er hat sich nie um Etikette geschert, wenn er anderer Meinung war. Welchen Kommentar würde er fallen lassen, wenn bei einem Ligakonkurrenten oder beim Fußballverband ein vorbestrafter Steuersünder ins Präsidentenamt gewählt würde.