Historische Bayernklatschen

»Wie ein Lehrbub«

0:4 verlor der FC Bayern München beim FC Barcelona. Eine neue Dimension der Schmach? Mitnichten. Denn wo viel Licht war, war immer auch schon Schatten. Wir haben die größten Pleiten der Bayern-Geschichte zusammengestellt. Historische BayernklatschenImago Uefa-Cup, Halbfinale, 01. Mai 2008:
Zenit St.Petersburg - Bayern München  4:0


Mit Ach und Krach hatten sich die Bayern im Viertelfinale nach Verlängerung gegen Getafe durchgesetzt, dennoch war das Selbstvertrauen überdimensional groß. Dieses Jahr sollte es der Uefa-Cup werden und nächstes Jahr dann endlich wieder die Champions League. Wer sollte schon diese Bayern schlagen können?

[ad]

Auch ein schwaches 1:1 im Halbfinalhinspiel gegen St.Petersburg trübte die Erwartungshaltung nicht, schließlich war Zenits Topspieler Arshavin für das Rückspiel gesperrt. Das in der Runde zuvor schon Bayer Leverkusen kläglich an den Russen scheiterte, interessierte an der Säbener Straße niemanden. Bestraft wurde diese Überheblichkeit schon in der vierten Minute, als Ribery bei einem Zenit-Freistoß die eigene Mauer öffnete und so den Weg für das 0:1 aus Bayern-Sicht bereitete. Im Gegensatz zur Pleite in Barcelona versuchten die Bayern zwar, sich zu wehren, doch die Russen schlugen immer wieder eiskalt zu. Die Angriffsbemühungen der Münchener waren viel zu behäbig, das Rückzugsverhalten, gelinde gesagt, eine Katastrophe. Als Pogrebnyak in der 73. Spielminute trocken zum 4:0 einnetzte, war die Blamage perfekt und auch die kühnsten Optimisten, die geschädigt vom Vatertag immer noch von einem erneute Wunder à la Getafe träumten, hatten jetzt begriffen, dass der Traum vom Tripple ausgeträumt ist.

Champions League, Achtelfinale, 08.März 2006:
AC Mailand - Bayern München 4:1


1:1 im Hinspiel, die Aussichten durchwachsen. Gerade deswegen forderte Olli Kahn von seiner Mannschaft das »Spiel ihres Lebens«. Doch nur wenige Tage nach dem 1:4 Debakel der Nationalelf in Italien, als der Noch-Bayern-Klinsi noch der Bundes-Klinsi war, erging es auch dem FC Bayern nicht viel besser. Bereits nach acht Minuten köpfte Kahns Lieblingsgegenspieler Inzaghi das 1:0, und zehn Minuten später brachte Ismael das Kunststück fertig, ihn so zu foulen, dass sogar Inzaghi nicht nachhelfen musste, um einen Elfmeter zu bekommen. Shevchenko verschoss, traf aber kurz danach trotzdem. Bayern war endlich wach, spielte nach vorne und schaffte den Anschluss. Wer damit gerechnet hatte, dass die Bayern jetzt voller Elan aus der Kabine kommen würden, wurde bitter enttäuscht. Die Münchner zeigten eine zweite Hälfte im Stil der ersten von Barcelona und gingen sang- und klanglos mit 1:4 unter.

Champions League, Zwischenrunde, 06. März 2001:
Olympique Lyon - Bayern München  3:0

Wir übergeben das Wort an den Kaiser:

»Das war heute eine Blamage. So, wie wir gespielt haben, aber das hat sich schon in den letzten Wochen und Monaten angedeutet, das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist eine andere Sportart, die wir spielen.«

Aber das war noch längst nicht alles, was der Kaiser zu sagen hatte:

»Das ist nicht Fußball, das ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball. Tut mir leid, wenn ich das so sagen muss. Es ist so.
Und wir haben heute eine Vorführung bekommen. Warum? Weil die Einstellung nicht gestimmt hat. Weil wir zurzeit einen Fußball spielen, der einfach nicht mehr adäquat ist. Den hat man vielleicht mal gespielt vor 30 Jahren. So etwas spielt man heute nicht mehr. Ihr müsst euch schleunigst wieder daran gewöhnen, an das Einmaleins des Fußballs: Zweikämpfe.«

Er hatte immer noch nicht genug:

»Da schaust du aus wie ein Lehrbub, und zum Schluss kannst noch froh sein und sagen: Vielen Dank, dass wir nur 3:0 verloren haben. In Zukunft könnt ihr das nicht machen, sonst müssen wir uns alle einen anderen Beruf suchen, das ist vielleicht gescheiter.«

Was danach folgte, ist bekannt: Die Bayern setzten sich gegen Manchester und Real Madrid durch und im Finale besiegten sie Valencia nach Elfmeterschießen. Im Nachhinein gilt die Klatsche von Lyon als Initialzündung für den späteren Titel, aber ob die Niederlage in Barcelona ähnliches bewegt, scheint sehr fragwürdig.

Europapokal der Landesmeister, Finale, 27.05.1987
FC Bayern - FC Porto 1:2


1987: Elf Jahre lechzt der FC Bayern schon nach Europas Krone. 1982 war man nah dran, doch das Tor der Nobodys von Aston Villa war wie vernagelt, und so durften sich die Briten den Henkelpott in die Vitrine stellen. Nun aber war es doch an der Zeit. Die einzige Unbekannte in der Gleichung war der FC Porto, bis dahin ein Leichtgewicht ohne nennenswerte internationale Erfolge. Der hohe Favorit aus Deutschland legte genau so los, wie er es wollte, und »Wiggerl« Kögl köpfte (!) zur Führung ein. Eine lähmende Führung, denn selbstzufrieden und lethargisch wollten die Bayern dem Arbeitssieg entgegen taumeln – bis sie von Madjers Hacke ins Spiel zurückgeholt wurden. Noch bevor Latteks Mannen reagieren konnte, legte Joker Juary ein weiteres Ei ins Nest. Der als Antreiber fest eingeplante Lothar Matthäus versteckte sich und kam seiner Funktion nicht nach. So mussten Bayern zuschauen, wie ein paar unbekannte Portugiesen Europas Krone in den Wiener Nachthimmel stemmten.

UEFA-Cup, 2. Runde, 23.10.1991
B1903 Kopenhagen - FC Bayern 6:2


Viele bekannte Männer stellten sich im Laufe der Zeit ins Bayern-Tor. Sepp Maier war natürlich unter ihnen, Jean-Marie Pfaff und Oliver Kahn ebenso, selbst Toni Schumacher half kurze Zeit aus. An Gerald Hillringhaus hingegen erinnert sich niemand. Vielleicht will sich auch niemand erinnern, denn Hillringhaus stand zwischen den Pfosten, als sich die Bayern die vielleicht peinlichste Europapokalklatsche ihre Geschichte einfingen. In einer Saison, in der eigentlich gar nichts lief, zwei Trainer entlassen wurden und der spärlich talentierte Mazinho für Tore sorgen sollte, holten sich die Bayern ein deftiges 2:6 in Kopenhagen ab. Innerhalb von 20 Minuten schossen die Dänen vier Treffer und stürzten die von ihrem Landsmann Sören Lerby trainierten Bayern in eine tiefe Krise. Sogar das Abstiegsgespenst wurde gesichtet, als es sein Revier in der Säbener Strasse markieren wollte. Es verkroch sich dann aber doch wieder und die Bayern schlossen ihre Horrorsaison auf Platz 10 ab. Dies hatte immerhin einen Vorteil: In der folgenden Saison konnte es keine böse Europacup-Schmach geben.