Higuains Wechsel zu Juve

»Ja, das ist Verrat«

Gonzalo Higuain wechselt für 90 Millionen von Neapel zu Juve. Der spektakuläre Wechsel erregt Italien – selbst Francesco Totti wütet. Einzig Neapels Gott verteidigt Higuain.

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In Italien gibt es den Begriff »bandiere«, etwa Fahnenfußballer. Er bezeichnet jene Spieler, die ihre gesamte Laufbahn bei einem Verein verbrachten und dort eine Ära prägten. Der AC Milan beispielsweise hatte eine Verteidigung, die jeder Schuljunge auswendig aufsagen konnte: Franco Baresi, Paolo Maldini, Alessandro Costacurta.

Diese drei Ikonen spielten insgesamt 65 Jahre für den Klub, Maldini gar 24 Jahre am Stück in San Siro. Nostalgiker trauern diesen Zeiten hinterher, die „one-club man“ sterben aus. Doch streng genommen waren sie schon zu ihrer Zeit eine Ausnahme.

Im Endeffekt gehörten Transfers zwischen verfeindeten Vereinen schon immer zum Geschäft. Im Sommer 1990 wechselte Florenz-Ikone Roberto Baggio zu Juventus, zwei Jahre später verschlug es Turins Gianluigi Lentini zu Milan.  Auch Italien gewöhnte sich an die Fluktuation der Spieler.

Der Bürgermeister nimmt Stellung

In dieser Woche aber ging ein Wechsel über die Bühne, der wahre Entrüstungsstürme auslöste. Der argentinische Stürmer Gonzalo Higuain erzielte in der vergangenen Saison für den SSC Neapel rekordverdächtige 36 Tore und wurde so zu einem echten Publikumsliebling. Ihm wurden schon Vergleiche mit dem in Neapel immer noch gottgleichen Diego Maradona zuteil.

Doch »El Pipita« ging nun für 90 Millionen Euro (einige Medien berichten von 94) von Neapel zu Juventus – die Neapolitaner sprechen ganz offen von »Verrat«. Diesen Begriff verwandte selbst der Bürgermeister von Neapel Luigi de Magistris: »Es ist ein Verrat an jenen, die wie ich dem Fußball mit Leidenschaft folgen.«

Trikots in der Toilette

Viele der Fans versammelten sich in der Stadt, um in aller Öffentlichkeit Higuain-Trikots zu verbrennen oder auf anderem Wege ihrer Enttäuschung Luft zu machen. Einige Anhänger posteten Bilder, auf denen das Shirt in der Toilette lag oder der Namensschriftzug in »Giudain« geändert worden war (ein Wortmix aus Huiguain und dem Namen Judas).



»Maradona hätte so etwas nie gemacht«, riefen nun einige Anhänger in die Kameras und vergaßen dabei, dass »El Diez« im Jahr 1989 kurz vor einem Wechsel zu Marseille gestanden hatte. Der große Maradona selbst nahm in einer Facebook-Botschaft seinen Landsmann Higuain in Schutz: »Wir sollten nicht dem Spieler die Schuld geben. Er hat eine Verantwortung sich selbst gegenüber. Es sind diese fetten Katzen des Geschäfts, die das meiste Geld daraus schöpfen.«