Heute vor 15 Jahren: Lothar Matthäus verlässt die Bundesliga

Noch zwei weitere Abschiede

Ursprünglich, so hatte es Hitzfeld geplant, sollte Lothar zur Pause in der Kabine bleiben. »Doch dann dachte ich, dass man einem Rekordnationalspieler den Abschied geben muss, der ihm gebührt«, sagte Hitzfeld hinterher. Er wechselte Matthäus nicht aus.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Fußball-Leben. Nach 50 Minuten legte Matthäus den Stuttgarter Krisztián Lisztes. Foul, Freistoß, Krassimir Balakov, Torwartecke, Torwartfehler, Tor. Als der quirlige Lisztes den nicht so quirligen Thomas Linke düpierte und Dreher zum 2:0-Endstand überwand (59.), waren die Töne von Matthäus' beifallsschwangerem Auszug gerade verklungen. Er hatte, wie alle Bayern, höchstens durchschnittlich gespielt, aber Lothar war nunmal Lothar. Raumausstatter, Raumdeuter, wahrscheinlich Raumfahrer. Wenig verwunderlich also, dass der wiederum äußerst quirlige »Premiere«-Moderator Fritz von Thurn und Taxis eine Glasvitrine mit Spielball und Stuttgarter Rasen auf Kalkaufguss bereithielt. Matthäus war von den Zuschauern zum »Topspieler des Tages« gewählt worden, und beinahe schien ihm die Auszeichnung ein bisserl peinlich.

Maradona sagt Servus

Als die Blätter des Hubschraubers auf dem Stadion-Vorplatz rotierten, war Lothar Matthäus ein Ex-Bundesligaspieler. Zwei Abschiede standen ihm noch bevor. Ende Mai zwängte sich Diego Maradona in ein Bayern-Shirt, um beim offiziellen Abschiedsspiel seines Freundes im Olympiastadion zu tricksen. 17 Kilo soll der Argentinier abgespeckt haben, erschien noch immer reichlich füllig, zeigte dem einen oder anderen deutschen Nationalspieler allerdings, was Füße mit einem Ball anstellen können. Theoretisch.

Drei Monate vor Maradona und vier Tage nach Lisztes zelebrierte man das zweite bye-bye-Festival. Das Beste. Bayern München gegen Real Madrid, ewiger Kampf der Titanen in der Champions League. »Servus Lothar« blinkte es in der 90. Minute auf der Anzeigetafel, und tatsächlich sagte Lothar Servus. Er hatte feuchte Augen, trottete zur Seitenlinie, gab Patrick Andersson einen Klaps, immerhin, das kannte er schon. Und während Lothar Matthäus über die Ersatzbankgemeinde zur Kabine flanierte, schloss Alexander Zickler einen Konter zum 4:1 ab. Matthäus schaute beseelt. TV-Kommentator Jörg Dahlmann philosophierte: »Da geht er, ein großer Spieler, ein Weltstar. Einer wie Steffi Graf.«

Plötzlich fiel der Blick auf ein Plakat, das Bayern-Fans präpariert hatten, und das die ganze Geschichte ziemlich gut auf den Punkt brachte: »Sänk ju, loddar.«

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