Hesses WM-Countdown (40): Wie die australische Nationalmannschaft verflucht wurde

Wie verhext!

Genau 40 Wochen vor dem Eröffnungsspiel der WM 2018 beginnt unsere neue Kolumne, in der Uli Hesse sich Anekdoten und Kuriositäten widmet. Manchmal auch schwarzer Magie.    

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Weil das von Bert van Marwijk trainierte Saudi-Arabien am Dienstagabend überraschend gegen Japan gewann, muss Australien in der WM-Qualifikation nun Play-Offs bestreiten. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik, denn um genau das zu vermeiden, haben die Australier ja geradezu darum gebettelt, den Kontinentalverband Ozeanien verlassen zu dürfen und als Asiaten eingestuft zu werden.

Das macht zwar geografisch, politisch und historisch keinen erkennbaren Sinn, aber es sollte dem australischen Fußball helfen. Da nämlich die Mannschaften aus Ozeanien keinen automatischen Startplatz bei einer WM-Endrunde haben, musste Australien, in der Regel die beste Mannschaft Ozeaniens, früher nicht nur Qualifikationsspiele gegen seine Nachbarn bestreiten, sondern dann auch noch in der Weltgeschichte herumgurken und Play-Offs austragen, die man stets verlor, etwa gegen Schottland, Iran, Uruguay oder sogar Argentinien. Und waren die Gegner mal nicht ganz so stark, wie etwa 1969, dann kam Voodoo ins Spiel ...

Kein Visum - also Mosambik

In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1970 trafen die Australier auf so manche Teams, die aus politischen Gründen keine Gegner fanden. So zum Beispiel die Mannschaft aus Rhodesien, dem heutigen Simbabwe. Weil in dem Land zu jener Zeit ein Apartheid-Regime an der Macht war, wurde die rhodesische Elf von fast allen afrikanischen Verbänden boykottiert (obwohl in ihr Weiße und Schwarze zusammenspielten). So entschied die FIFA in ihrer Weisheit, das Team der Ozeanien-Gruppe zuzuordnen. In der vorletzten Play-Off-Runde, sozusagen dem Halbfinale, ging es gegen Australien.

Da die Spieler aus Rhodesien keine Visa für Australien bekommen konnten, wurden beide Partien in der Stadt Lourenço Marques in Mosambik ausgetragen. Zwar hatten die Afrikaner ein paar gute Spieler, etwa Torjäger Bobby Chalmers, dennoch galten sie als Außenseiter. Sie besaßen so gut wie keine Spielpraxis, fanden sie wegen des Boykotts doch kaum Gegner. Und dennoch trotzten sie den Australiern zwei Unentschieden ab, 1:1 und 0:0. Das lag nicht zuletzt daran, dass der rhodesische Torwart Robin Jordan sensationelle Leistungen zeigte.