Hesses WM-Countdown (4): Einheitslook

Um angemessene Kleidung wird gebeten

Schon zweimal traf Deutschland bei Weltmeisterschaften auf eine Nationalelf, die in Vereinstrikots antrat. Aber es gab noch weitere Verstöße gegen den Dresscode.

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Vor zehn Wochen ging es an dieser Stelle um ein ungewöhnliches Trikot, nämlich den Dress, in dem Argentinien eines der berühmtesten Spiele der WM-Geschichte bestritt. Jenes Leibchen Marke Eigenbau war aber natürlich nicht das einzige seltsame Trikot in der Historie des Turniers. So mussten einige Nationalmannschaften sogar in Vereinstrikots spielen. Seltsamerweise gleich zweimal gegen Deutschland.

 

Der Auftakt wurde schon bei der WM 1934 in Italien gemacht. Zum Spiel um den dritten Platz liefen sowohl Deutsche als auch Österreicher in dem für sie typischen Look auf: weiße Hemden, schwarze Hosen. Da keine der beiden Mannschaften Ausweichtrikots dabei hatte, besorgte man einen Satz vom lokalen Verein, dem SSC Neapel. Dann wurde gelost. Die Österreicher verloren und mussten in Blau spielen.

 

Rot-Grün-Schwäche

 

Der nächste erzwungene Trikottausch trug sich 1950 in Brasilien zu, auch wenn man sich zunächst vielleicht darüber wundert, dass die betroffenen Teams aus der Schweiz und Mexiko kamen. Denn welches Problem soll es mit dem klassischen Rot der Schweiz und dem für Mexiko typischen Grün gegeben haben?

 

Nun, bei den ersten Weltmeisterschaften spielte Mexiko noch in roten Hemden, erst seit 1958 ist Grün die Standardfarbe des Teams. Und darum verzögerte sich der Anpfiff des Gruppenspiels zwischen den Eidgenossen und den Nordamerikanern um 20 Minuten. Dann war ein Trikotsatz des Esporte Clube Cruzeiro aus Porto Alegre besorgt und die Mexikaner verloren in blau-weiß gestreiften Hemden mit 1:2.

 

Argentinien in Gelb

 

Eine WM später, 1958 in Schweden, war dann wieder Deutschland der Spielverderber. In ihrem ersten Turnierspiel traf Sepp Herbergers Elf auf den Geheimfavoriten Argentinien. Schiedsrichter Reg Leafe war der Meinung, dass die hellblauen Hemden der Argentinier den weißen der Deutschen zu ähnlich waren. So liefen die Südamerikaner schließlich in gelben Leibchen auf, die gut sichtbar das Wappen des IFK Malmö trugen.   

 

Man sollte meinen, dass sich solche Vorfälle durch Absprachen im Vorfeld vermeiden lassen. Doch manchmal können gerade sie für Verwirrung sorgen. So schickte die FIFA im Februar 1978 ein Memo an die Verbände von Ungarn und Frankreich. In ihrem abschließenden Gruppenspiel bei der anstehenden WM, so hieß es dort, sollten die Ungarn in Rot spielen, die Franzosen in Weiß.