Hesses WM-Countdown (38): Woher kommt der Spitzname unserer Nationalelf?

»Verslagen Mannschaft verraste Engeland: 3-2.«

Woher hatten die ausländischen Berichterstatter diesen Ausdruck? Zwar trug 1986 ein Buch von Ludger Schulze über die Geschichte der deutschen Nationalelf den Titel »Die Mannschaft«, doch erstens darf man bezweifeln, dass es außerhalb der Landesgrenzen sehr große Verkaufszahlen erreichte, zweitens war der Begriff zu jener Zeit zumindest bei unseren holländischen Nachbarn bereits fest etabliert. So titelte die Zeitung Leeuwarder Courant schon am 15. Juni 1970: »Verslagen Mannschaft verraste Engeland: 3-2.« Was heißen sollte, dass die unterlegene deutsche Nationalelf England überraschte und nach 0:2-Rückstand im Viertelfinale der WM noch 3:2 gewann. (Fast exakt vier Jahre später lautete übrigens eine Überschrift im Nieuwe Leidsche Courant: »Westduits publiek ergert sich aan overschatte ›Mannschaft‹«. Doch wie sich zum Leidwesen der Niederlande noch zeigen sollte, ärgerte sich die westdeutsche Öffentlichkeit nicht mehr lange über ihre überschätzte Nationalelf.)

Warum die Niederländer diesen Ausdruck – anstatt des korrekten »Nationalmannschaft« – verwendeten, ist unklar. Vielleicht war ihnen dieses Wort zu lang und zu sperrig, vielleicht übersetzten sie auch nur den Namen ihrer eigenen Auswahl, »Nederlands elftal«, ins Deutsche und landeten bei »(deutsche) Mannschaft«. Jedenfalls legt ein kurzer Streifzug durch die internationalen Zeitungsarchive nahe, dass der Begriff erst viele Jahre später auch in anderen Ländern populär wurde. 

»Simply known at home as the Mannschaft«

Vielleicht passierte das während der WM 1998. Da findet sich nämlich »la Mannschaft« plötzlich in vielen französischen Zeitungen, was wiederum einen Autor wie Roger Cohen von der New York Times inspiriert haben könnte, der vor den Viertelfinalspielen daran erinnerte, dass die deutsche Nationalelf besonders gut darin ist, einen Rückstand aufzuholen, oft in den letzten Minuten: »This is an area in which the German team – known simply at home as the Mannschaft – has excelled, regularly coming from behind, often in the last minutes.« In spanischen und englischen Medien dauerte es noch länger, bis der Spitzname gebräuchlich wurde. Erst zur WM 2010 tauchte er regelmäßig auf.

Im Sommer 2015 übernahm die Nationalelf den Begriff dann ganz offiziell, um »ein neues Markenbild zu schaffen«, wie Manager Oliver Bierhoff erklärte. Er sagte: »Man hat gespürt, ohne anderen Mannschaften zu nahe treten zu wollen, dass wir ›Die Mannschaft‹ sind.« Er hat Glück, dass die WM 2018 nicht in einem englischsprachigen Land ausgetragen wird. Denn dort ist »shaft« ein Slang-Ausdruck für das männliche Geschlechtsorgan, weshalb »die man shaft« bei kindlichen Gemütern unkontrolliertes Gekicher auslösen kann. Tja, vielleicht sollte man doch noch mal über Flying Spargel nachdenken.