Hesses WM-Countdown (37): Wie Nordkorea dafür sorgte, dass Effenberg aus der Nationalelf flog

Die Tragödie von Doha

Er muss dem Team präzise Instruktionen für die zweite Hälfte gegeben haben, denn nach kaum vier Minuten stellte sich seine Abwehr bei einer Abseitsfalle so dämlich an, dass das 1:0 für Südkorea fiel. Weitere vier Minuten später ließ sich ein nordkoreanischer Verteidiger an der Strafraumgrenze den Ball abnehmen und der Stürmer schob das Leder quer zu einem völlig ungedeckten Kollegen, der aus elf Metern zum 2:0 traf. Am Ende gewann Südkorea sogar mit 3:0.

Strafe in Kohlebergwerken?

Das nordkoreanische Regime war so erbost über die Niederlage, dass es viele Offiziellen des Verbandes bestrafte, von denen einige sogar in Kohlebergwerken gelandet sein sollen. Trainer Myong-chan Yun wurde zur Arbeit in einer Sportartikelfirma verdonnert. Er konnte 1999 nach Südkorea fliehen, wo er sein Gewissen erleichterte und den Betrug an Japan aufdeckte. Aber die Geschichte dieses Komplotts hat noch zwei Pointen. Die erste ist, dass sich Japan trotz der koreanischen Bruderhilfe um ein Haar qualifiziert hätte. Die Elf ging nämlich nach 70 Minuten gegen den Irak in Führung. (Übrigens durch ein klares Abseitstor.) Doch zehn Sekunden vor dem Schlusspfiff kassierte Japan noch den Ausgleich, weshalb die Partie in jenem Land heute als »Tragödie von Doha« bekannt ist.

Mittelfinger hoch!

Die zweite Pointe ist diese: Ohne jenen asiatischen Skandal hätte sich ein deutscher nicht zugetragen. Denn fast auf den Tag genau acht Monate nach dem abgekarteten Qualifikationsspiel traf Südkorea bei der Weltmeisterschaft auf Deutschland. Es war die Begegnung, in der Stefan Effenberg der Mittelfinger ausrutschte, woraufhin er mit Schimpf und Schande nach Hause geschickt wurde.