Hesses WM-Countdown (35): Warum Fußball eine Frage von Leben und Tóth sein kann

Der Fehler von Bern

Über das WM-Endspiel von 1954 zwischen Ungarn und Deutschland ist schon alles gesagt worden. Oder vielleicht doch nur fast alles.

imago

Vor zwei Tagen starb József Tóth, der letzte noch lebende Spieler aus dem Kader der ungarischen Mannschaft von der WM 1954. Das ist ein guter Anlass, um noch einmal auf das Finale – und die Rolle der Familie Tóth – zu blicken.

 

Ah, jetzt stöhnt sicher der eine oder andere Leser. Denn das berühmteste Spiel der deutschen Fußballgeschichte, das Finale von 1954, ist zugleich das am gründlichsten analysierte. Was kann man da noch Neues erzählen?

 

Allgegenwärtiges Spiel

 

Es stimmt, das Spiel ist allgegenwärtig. Es wurde für Sönke Wortmanns Films »Das Wunder von Bern« mit Amateurspielern und von drei Studenten mit Lego-Figuren nachgestellt. Allein das ZDF produzierte drei Dokumentation, und inzwischen gibt es mehr als ein halbes Dutzend Bücher über den Finalsieg der deutschen Elf gegen die favorisierten Ungarn. Dazu noch mehrere Audio-CDs, Biografien der einzelnen Helden und natürlich Werke zum ganzen Turnier in der Schweiz.

 

Dank dieser Medien-Lawine weiß inzwischen auch der letzte Fan, wie und warum (West-) Deutschland die Sensation schaffte: mit deutschen Tugenden, durch die Tricks von Sepp Herberger, dank des deutschfreundlichen Fritz-Walter-Wetters, weil die Ungarn spätestens nach dem 2:0 die Deutschen unterschätzten.

 

Randgeschichten und Verschwörungstheorien

 

Dazu kommen dann noch einige Randgeschichten und Verschwörungstheorien, die man hierzulande zwar kennt, aber gerne unter den Teppich kehrt, vom Foul von Werner Liebrich an Ferenc Puskás aus dem Gruppenspiel, dessen Folgen den Star der Ungarn im ganzen Turnier behinderten, über das nicht gegebene 3:3 kurz vor dem Ende der Partie bis zu den diversen Dopingtheorien. Was in Deutschland seltsamerweise fast nie zum Thema wurde, ist die Rolle, die der Trainer der Ungarn spielte, Gusztáv Sebes.

 

Ein Zeitzeuge aus Budapest namens Etelka Banyai berichtete dem ZDF, dass die ungarischen Fans nach dem Abpfiff keinen Zweifel hatten, wer Schuld an dem Drama war – und das war nicht Liebrich, nicht der Schiedsrichter, keiner der Spieler Ungarns: »Die Menschen vor dem Haus von Sebes wurden immer mehr«, erinnerte er sich. «Sie riefen: ›Der Sebes soll verrecken, er ist ein Schwein, er hat das Vaterland verkauft!‹ Unglaublich, was sich in der Masse aufgestaut hatte, diese Aggression. Sie schrien: ›Wir fackeln sein Haus ab!‹«

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