Hesses WM-Countdown (34): Warum man zu gut vorbereitet sein kann

Das ist ja die Höhe!

Viele europäische Mannschaften hatten Bammel vor der WM 1970 in Mexiko. Einige zogen die falschen Schlüsse daraus.

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Eine gute Vorbereitung und eine perfekte Organisation sind bei einer Fußball-Weltmeisterschaft das Wichtigste. Wer wüsste das besser als wir Deutsche? Schon schwieriger ist aber die Frage zu beantworten, was genau eine gute Vorbereitung ist. Denn sie kann auch schnell ein wenig zu perfekt geraten.

 


Im Vorfeld der WM 1970 in Mexiko hatten gerade die europäischen Mannschaften großen Bammel – und zwar vor der Höhenluft im Gastgeberland. Eine berechtigte Sorge, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel Mexico City 2310 Meter über dem Meeresspiegel liegt. (Zum Vergleich: Berlin liegt auf 34 Metern.) 

 

Trotzdem hielten nur wenige Mannschaften ein spezielles Höhentraining für notwendig. (West-) Deutschland unternahm im Winter 1968 eine Südamerikareise mit Gastspielen in Brasilien, Chile und eben Mexiko, aber da war die Elf noch gar nicht qualifiziert und die WM noch 18 Monate entfernt.

 

Es wurde eng in Südamerika 

 

Direkt vor dem Turnier spielte die DFB-Auswahl lieber in Stuttgart, Berlin und Hannover gegen Rumänen, Iren und Jugoslawen. Interessanterweise machten es die Italiener ähnlich: Sie flogen mehr als anderthalb Jahre vor der WM zu zwei Partien nach Mexiko. Als das Turnier dann anstand, begnügten sie sich mit Spielen in Madrid und Lissabon, um auf Touren zu kommen. 

 


Viel professioneller gingen einige andere europäische Länder die Sache an, sodass es knapp drei Monate vor Turnierbeginn ziemlich eng in Südamerika wurde. Gastgeber Mexiko bereitete sich nämlich so gründlich auf sein Turnier vor, dass die Elf in den vier Wochen vom 15. Februar bis zum 18. März nicht weniger als neun Partien absolvierte, meistens gegen Europäer, die sich an die Gegebenheiten gewöhnen wollten.