Hesses WM-Countdown (33): Warum ein deutscher Trainer seine Jacke verlor

Kenias größtes Spiel

Vier Jahre später, in der Qualifikation zur WM 1998, war Fabisch dann Trainer von Kenia. Seine Elf überstand überraschend die erste Runde und kam in eine Gruppe mit Nigerias Supermannschaft, den Olympiasiegern um Nwankwo Kanu, Taribo West, Jay-Jay Okocha, Viktor Ikpeba, Jonathan Akpoborie und Finidi George. 

Man kann den Ärger im Lager der Nigerianer verstehen, als sie ausgerechnet bei den Underdogs aus Kenia nur 1:1 spielten und damit zwei fest eingeplante Punkte verschenkten.

Nigeria staunt 

Denn ganz abgesehen davon, dass Kenia noch nie zuvor ein Unentschieden gegen Nigeria gelungen war, hatte Fabisch zwei Monate vor der Partie nahezu die komplette Nationalelf ausgetauscht und durch Nachwuchsleute ersetzt! So war selbst der Kapitän Musa Otieno erst vor wenigen Tagen 23 geworden. Im selben Alter war Linksverteidiger John Lichuku, der Kenias Führungstreffer erzielte. (Lichuku starb fünf Jahre später an den Spätfolgen eines Autounfalls.)  

   

»Wir haben gegen eine der besten Mannschaften der Welt gespielt«, sagte Fabisch, der nicht traurig war, dass Akpoborie vor 60.000 Fans im »Moi Sports Centre« von Nairobi mit seinem Ausgleichstor noch für ein Remis gesorgt hatte. Im Gegenteil, er feierte den Punkt: »Ich bin sehr stolz auf meine junge Elf.« 

Verhexte Jacke?

Nun, für die Nigerianer stellte sich das anders dar. Nach ihrer Meinung ging es hier nicht mit rechten Dingen zu. Für das Rückspiel am 7. Juni 1997 untersagten sie den Kenianern daher, ihren Medizinmann mit nach Nigeria zu bringen. 

Und sie stellten dem Tross der Gäste am Flughafen eine Falle. Es war den Nigerianern nämlich zu Ohren gekommen, dass Fabischs Trainingsjacke, die er stets in der Öffentlichkeit trug, von einem Hexenmeister behandelt worden war. Als der Kader Kenias am Murtala-Flughafen von Lagos landete, bedrängten auf einmal mehrere nigerianische Funktionäre den deutschen Trainer – und rissen ihm die Jacke vom Leib.

Nigeria gewann das Spiel 3:0 und qualifizierte sich mit einem Punkt Vorsprung vor Guinea und drei Punkten vor Kenia für die WM 1998, wo die Mannschaft ins Achtelfinale kam. Fabisch sah seine Jacke nie wieder.