Hesses WM-Countdown (33): Warum ein deutscher Trainer seine Jacke verlor

Er hatte ein Team in Afrika …

Ein Westfale hat Kultstatus in Simbabwe und Kenia, obwohl auch er diese Länder nicht zu einer WM-Endrunde führen konnte.

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Reinhard Fabisch aus Schwerte in Westfalen gehörte zu jenen Fußballtrainern, die in ihrer Heimat nicht sehr bekannt sind, dafür andernorts einen exzellenten Ruf genießen. Als er im Juli 2008 einem Krebsleiden erlag, erreichte die Nachricht die deutsche Öffentlichkeit erst zwei Tage später; den meisten Zeitungen war die Meldung nur ein paar Zeilen wert; der DFB veröffentlichte sieben Sätze auf seiner Homepage. 

 

Die Website der BBC hingegen blickte erheblich detaillierter auf Fabischs Karriere zurück und schrieb: »Der 57-Jährige war der beliebteste ausländische Trainer, den Simbabwe je hatte, und er genoss denselben Status in Kenia. Fabisch hat im afrikanischen Fußball seine Spuren hinterlassen und sein Andenken wird fortbestehen.«

 

In Afrika verehrt

 

In der Tat. Drei Jahre nach Fabischs Tod reiste die afrikanische Reporterin Grace Chingoma nach Stade, um mit seiner Witwe zu sprechen. Chingomas Artikel begann mit den Worten: »Vor drei Jahren machte Simbabwes ehemaliger Nationaltrainer Reinhard Fabisch seinen letzten Atemzug und verließ das Theater der Lebenden. Denen, die seine Welt mit ihm geteilt haben, hinterließ er nur Erinnerungen. Doch wie sollte man Reinhard Fabisch auch vergessen können?«    

 

Die Verehrung, die aus diesen Worten spricht, erarbeitete sich Fabisch zwischen 1987 und 2002. In dieser Zeit betreute er dreimal die »Harambee Stars«, wie die kenianische Auswahl genannt wird, sowie die »Warriors« aus Simbabwe. 

 

Simbabwes Dream Team  

 

Es war kein Zuckerschlecken. Diese beiden Länder haben bei der Afrikameisterschaft noch nie die Vorrunde überstanden und konnten sich natürlich auch noch nie für eine WM-Endrunde qualifizieren.

 

Oder vielleicht doch nicht so »natürlich«, denn unter Fabisch waren sie beide mal relativ nahe dran. So betreute der Westfale 1993 die Elf von Simbabwe, die als »Dream Team« bekannt war (mit Liverpool-Legende Bruce Grobbelaar im Tor). Ihr fehlte am Ende nur ein Sieg, um statt Kamerun zur WM zu fahren.