Hesses WM-Countdown (32): Als ein Bier die Regierung stürzte

Premierminister Montezuma

Man kann seinen Weltmeistertitel auf viele Arten verlieren. Ganz besonders bitter ist es, wenn das auf dem Klo geschieht.

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Wer vor den Gefahren des Alkohols warnen will, sollte sich mit der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften beschäftigen. Genauer: mit der WM 1970.  Denn bei diesem Turnier stürzte ein einziges Glas Bier nicht bloß den Weltmeister, sondern gleich eine ganze Regierung. 

 

Die WM fand in Mexiko statt, weshalb alle Gastteams große Vorsicht bei der Essenszubereitung walten ließen, um die als »Montezumas Rache« bekannte Durchfallerkrankung zu vermeiden. Das galt natürlich auch für den amtierenden Titelträger England, von dem viele Experten glaubten, dass er eine noch bessere Elf ins Rennen schickte als vier Jahre zuvor.

 

Die Parade des Jahrhunderts

 

Einer der Stars war Torwart Gordon Banks, ein so sicherer Schlussmann, das man ihn nicht nur in seinem Heimatland »die Bank von England« nannte. Im Gruppenspiel gegen Brasilien hielt Banks einen Kopfball von Pelé auf so unglaubliche Weise, dass man in England noch heute von der »Parade des Jahrhunderts« spricht.

 

England qualifizierte sich durch ein 1:0 über die CSSR am 11. Juni 1970 für das Viertelfinale gegen Deutschland, das drei Tage später stattfinden sollte. In einem Gedicht von John J. O’Connor mit dem Titel »West-Deutschland und Montezumas Rache« heißt es, dass Trainer Alf Ramsey seinem Kader die Erlaubnis gab, etwas Entspannung zu suchen: »Zusammen mit Banks und Charlton, Terry Cooper und Geoff Hurst/Durchstreifte Moore die Straßen und suchte einen Ort zum Stillen von Durst.«

 

Flaschenbier im Country Club 

 

Er fand ihn, und damit nahm das Unheil seinen Lauf. Hören wir erneut den Poeten: »Der Besitzer brachte Teller mit Bohnen und Reis/Und tat in den Drink von Banks einige Würfel Eis.«

 

Das ist allerdings dichterische Freiheit. In Wahrheit besuchten einige Spieler am 12. Juni den edlen Guadalajara Country Club. Und dort aßen sie natürlich nichts, weil man sie eindringlich vor den Gefahren gewarnt hatte. Sie tranken auch nichts, das mit Leitungswasser (oder eben Eis) serviert wurde. Stattdessen bestellten sie eine Runde Bier. Es wurde in Flaschen serviert und dann von einem Kellner in Gläser gefüllt.