Hesses WM-Countdown (31): Wie Deutschland vor die Hunde ging

Spanische Hundstage

Bei der WM in Spanien erlitt der deutsche Fußball eine der größten Blamagen seiner Geschichte. Das hatte auch mit einer Fehlplanung und einem Vierbeiner zu tun.

imago

Obwohl die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 1982 das Finale erreichte, war dieses Turnier kein Ruhmesblatt für die DFB-Auswahl. Selbst auf den Siegen lag meistens ein Schatten, so blieb vom dramatischen Halbfinale gegen Frankreich vor allem Toni Schumachers Foul an Patrick Battiston in Erinnerung, während das 1:0 über Österreich als »Schande von Gijón« in die Geschichte einging.

 

Und dann war da ja auch noch das Debakel, mit dem alles begann – das  peinliche 1:2 gegen Algerien. Heute wissen alle Fußball-Fans, dass es »keine leichten Gegner mehr gibt«, aber zu Beginn der 1980er sah das noch anders aus. Als man  Bundestrainer Jupp Derwall zwei Stunden nach der unerwarteten Niederlage fragte, welchen Einsatz er bei einer Wette auf einen deutschen Sieg gewagt hätte, antwortete er für damalige Verhältnisse gewohnt drastisch: »Jeden. Bis zum Tod!«

 

Fataler Umzug nach Mareo

 

Fast die ganze Nacht über grübelten die Spieler und Verantwortlichen, wie es zu der Blamage gegen die Nordafrikaner kommen konnte. Am nächsten Morgen, vor der Abfahrt zum Training, gab es kaum einen Kicker, um den sich nicht eine kleine Gruppe von Reportern geschart hatte, die nach einer Erklärung für das 1:2 suchten. Und nach und nach kristallisierte sich heraus, wer an der ganzen Sache Schuld war. Ein Hund.

 

Der Tross des DFB hatte sich im Vier-Sterne-Hotel »Principe de Asturias« in Gijón einquartiert und dort gleich drei Etagen komplett gemietet, um absolute Ruhe zu haben. Allerdings befand sich das Trainingsgelände der Mannschaft – die Fußball-Schule von Mareo – etwas außerhalb. Um sich die ewige Fahrerei zu sparen, blieb die Mannschaft in der Nacht vor dem Algerien-Spiel in Mareo, in einem Hotel auf der Anlage.

 

Dieses Etablissement hatte nun nicht ganz die Klasse des »Principe de  Asturias«. So besaßen zum Beispiel die Leitungsrohre im Gebäude die  Eigenart, sich in jedem einzelnen Zimmer extrem laut bemerkbar zu machen, sobald irgendwo im Haus ein Wasserhahn aufgedreht oder eine Toilettenspülung betätigt wurde. Immerhin ebbte dieser Lärm ab, als die Spieler endlich im Bett lagen und ihrem Harndrang nachgegeben hatten.