Hesses WM-Countdown (30): Der unsicherste Job der Welt

(Italienischer) Ruhm ist vergänglich

Wer die Squadra Azzurra betreut, der weiß vor allem eines: Er wird es nicht sehr lange tun. Das galt selbst für eine der ganz großen Trainerlegenden.

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Das Überraschendste am italienischen Debakel gegen Schweden ist nicht, dass Italien zum ersten Mal seit 1958 eine WM-Endrunde verpasst. Sondern dass es kurz so aussah, als dürfte Trainer Gian Piero Ventura im Amt bleiben. Denn der Posten des italienischen Nationalcoaches ist einer der unsichersten im Weltfußball. Allein in den dreizehn Jahren, die Joachim Löw nun als Assistent oder Chef die DFB-Auswahl betreut, saßen fünf verschiedene Trainer auf diesem Schleudersitz. 

 

Doch der rasche Wandel auf der Bank der Squadra Azzurra hat eine viel längere Tradition. Er begann damit, dass der berühmte Vittorio Pozzo seinen Job nach mehr als 18 Jahren Amtszeit und zwei WM-Titeln niederlegte. Wir reden hier also vom Jahr 1948.

 

Misslungene Experimente

 

Im Jahrzehnt nach Pozzo versuchte es der Verband zuerst mit verschiedenen Trainerkollektiven, um die Last auf mehrere Schultern zu verteilen. Das Quartett, das den Anfang machte, hielt sich immerhin 14 Monate – aber schon das Trio, das darauf folgte, kam nur auf ein halbes Jahr im Amt. Der erste Mann, der wieder  alleinverantwortlich war (Giuseppe Viani) ging 1960 nach absolut rekordverdächtigen 67 Tagen. 

 

Und als die WM 1966 für Italien zu einem totalen Desaster geworden war, installierte man eine so genannte »technische Kommission«. Sie bestand aus zwei Männern, von denen einer der legendäre Trainerfuchs Helenio Herrera war. Sein Ruhm nutzte ihm nicht: Das Experiment endete schon vier Spiele später.

 

Geändert hat sich seitdem nicht viel. Bei den letzten acht Weltmeisterschaften wurde Italien von sieben verschiedenen Trainern betreut, und die Serie setzt sich nur deswegen nicht fort, weil Ventura die Qualifikation vermurkst hat.