Hesses WM-Countdown (25): Bootvorgang

Der Tag, an dem die WM ins Wasser fiel

Heinz Kwiatkowski kassierte 1954 acht Tore gegen die Ungarn. Warum? Weil er nicht schwimmen konnte.

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Sie sind unvergessen: die »Helden von Bern« – jene Spieler der deutschen Nationalmannschaft, die 1954 in die Schweiz fuhren und sensationell Weltmeister wurden. Jeder deutsche Fan kann die Namen dieser Stars im Schlaf aufsagen: Helmut Rahn, Max Morlock, Fritz Walter, »Fußball-Gott« Toni Turek und so weiter – bis hin zu Heinz Kubsch.

 

Kubsch? Ah, hier beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Denn es gibt auch nahezu anonyme Helden. Selbst einige Mitglieder des damaligen Betreuerstabs der DFB-Elf – zum Beispiel Masseur Erich Deuser und Ausrüster Adi Dassler – sind im öffentlichen Bewusstsein präsenter als jene Spieler aus dem 1954er Kader, die das Pech hatten, nicht zum Einsatz zu kommen.

 

Acht Gegentore für Kwiatkowski 

 

Bundestrainer Sepp Herberger gab im Gruppenspiel gegen die Ungarn einigen, aber nicht allen Männern aus der zweiten Reihe eine Chance. Obwohl sie am Ende mit einem 3:8 vom Rasen schlichen, hatte sie doch ihren Auftritt bei der Weltmeisterschaft gehabt und Einzug in die Geschichtsbücher gefunden. Selbst Heinz Kwiatkowski, der Dortmunder Torwart, musste zeitlebens niemanden daran erinnern, dass er Teil des WM-Teams von 1954 war. Zwar denken die meisten Leute, die seinen Namen hören, sofort an die acht Gegentore – aber das ist immer noch besser, als vergessen worden zu sein. 

 

Mit 22 Spielern reiste Herberger in die Schweiz. Nur vier von ihnen wurden im Turnier nicht eingesetzt: Herbert Erhardt von der SpVgg Fürth, Ulrich Biesinger vom BC Augsburg, Karl-Heinz Metzner von Hessen Kassel und eben Heinz Kubsch vom FK Pirmasens. Aus diesem Quartett musste sich Erhardt wohl am wenigsten ärgern, denn er sollte in den folgenden Jahren noch viele Länderspiele bestreiten und an zwei weiteren Weltmeisterschaften teilnehmen, dann auch aktiv. Biesinger war zum Zeitpunkt der WM 1954 erst 20 Jahre alt und konnte ebenso wenig ernsthaft mit einem Einsatz rechnen wie der Routinier Metzner, der seit dem Krieg durch eine Handverletzung gehandicapt war und außerdem zu viele Konkurrenten im Offensivbereich hatte.