Hesses WM-Countdown (22): Eine Altersfrage

Mexikanische Mauscheleien

Es passiert nicht oft, dass Mexiko eine WM-Endrunde verpasst. Der Grund, warum das Team 1990 nicht dabei war, ist bis heute ein nationales Trauma.

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In Deutschlands erstem Spiel bei der WM 2018 wird der Gegner ein alter Bekannter sein: Mexiko. Die Partie am 17. Juni in Moskau ist bereits die vierte zwischen den beiden Teams bei einer WM-Endrunde. Daran sieht man schon, dass die Mittelamerikaner ein sehr häufiger Gast bei diesem Turnier sind.

 

Nur fünf Weltmeisterschaften haben die Mexikaner verpasst. Dreimal (1934, 1974 und 1982) scheiterten sie in der Qualifikation, einmal (1938) boykottierten sie das Turnier, weil es entgegen der ursprünglichen Vereinbarung nicht in Südamerika stattfand. Bleibt noch die WM 1990, die bisher letzte, an der Mexiko nicht teilnahm. Wie es dazu kam, das ist eine allerdings eine Räuberpistole.

 

Erste Unstimmigkeiten      

 

Sie begann im Früher 1988, und zwar in Guatemala. Dort fand die U20-Meisterschaft für CONCACAF-Mannschaften statt, also für Länderteams aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik. Dieses traditionsreiche Turnier wird schon seit 1962 ausgespielt. Als die zwölfte Auflage am 9. April 1988 begann, war Mexiko mit acht Titeln Rekordsieger und ging dementsprechend als einer der Favoriten ins Rennen.

 

Am 12. April bestritt das Team sein erstes Spiel und schlug Bermuda mit 4:1. Am selben Tag erschien in der Zeitung »Ovaciones« ein kurzer Text. Obwohl er ihre Namen nicht trug, stammte er von den beiden Journalisten Antonio Moreno und Alfredo Ruiz. In dem Beitrag wiesen sie darauf hin, dass es bei einigen der mexikanischen Spieler Unstimmigkeiten gab zwischen den aktuell angegebenen Geburtsdaten und denen, die sich im Jahrbuch des Verbandes für die Saison 1986/87 fanden.

 

Protest der USA

 

Niemand nahm so richtig Notiz von der Sache. In den nächsten acht Tagen schlug Mexiko erst Kuba, dann die Niederländischen Antillen und schließlich Kanada. Am 20. April schrieb Moreno einen weiteren Artikel, diesmal unter seinem Namen, und warf dem Verband mehr oder weniger Betrug vor. 

 

Dessen Präsident, Rafael del Castillo, bestritt die Vorwürfe vehement. Doch nun stürzten sich andere Reporter auf das Thema. Schnell hatten sie unwiderlegbare Beweise, dass mindestens vier Spieler der U20-Auswahl, unter ihnen Kapitän Aurelio Rivera, erheblich älter waren, als die Unterlagen behaupteten.

 

Während der Skandal publik wurde, ging das Turnier weiter. Mexiko landete hinter Costa Rica und vor den USA auf dem zweiten Platz und qualifizierte sich dadurch für die Junioren-Weltmeisterschaft des folgenden Jahres. Doch zwei Wochen nach dem Ende des Turniers legten die USA offiziell Protest ein, und der Kontinentalverband CONCACAF leitete eine Untersuchung ein.