Hesses WM-Countdown (20): Als Uli Hoeneß sich mal irrte

Der größte Gangster aller Zeiten

Dembélé? Goretzka? Aubameyang? Alles kleine Fische. Vor 30 Jahren wurde ein Transfertheater aufgeführt, das seinesgleichen suchte. In der Hauptrolle: Ein waschechter WM-Held. 

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Vereinswechsel beherrschen ja gegenwärtig Schlagzeilen und Gemüter, vor allem jene Transfers, bei denen der geneigte Redakteur gerne zum Ausdruck »Hickhack« greift. Leon Goretzka sorgte für Aufregung auf Schalke, Pierre-Emerick Aubameyang sogar überall. So sagte Frankfurts Trainer Niko Kovac dem »Kicker« vor ein paar Tagen: »Zu meiner Zeit gab es solche Sachen nicht. Wo gibt es denn so was, dass einer sagt: Ich komme oder ich komme nicht. Wo ist die Verantwortung geblieben? Wo ist der Vertrag, der zählt? Früher galt das gesprochene Wort.«

 

Vielleicht ist es da an der Zeit, an ein Transferhickhack zu erinnern, das vor genau 30 Jahren den FC Bayern und ein ganzes Land gleich mit in Atem hielt. Wer sich jetzt wundert, was das in einer WM-Kolumne zu suchen hat, dem sei gesagt, dass es dabei um einen Spieler ging, der bei einer Weltmeisterschaft zum Helden wurde – und den Deutschen schon da mächtig auf den Wecker fiel.

 

Die Hacke Gottes

 

Die Rede ist vom Algerier Rabah Madjer, der am 16. Juni 1982 mit einem Abstaubertor eine der größten WM-Sensationen überhaupt einleitete. »Matscher«, wie Reporter-Legende Rudi Michel seinen Namen damals hartnäckig aussprach, erzielte das erste Tor beim 2:1-Sieg der Algerier gegen Deutschland. Auch im weiteren Turnierverlauf machte der 24-jährige Sohn eines Blumenhändlers auf sich aufmerksam. Zur Belohnung wechselte er im folgenden Jahr von seinem Stammverein in Algier zum französischen Klub Racing Paris.

 

Ein internationaler Star wurde Madjer aber erst durch seinen Transfer im Jahre 1985 zum FC Porto, mit dem er zehn Titel gewann. Der größte war natürlich der Europapokal der Landesmeister, den der Algerier im Mai 1987 holte. Dabei versetzte er dem deutschen Fußball den zweiten, aber nicht den letzten schweren Schlag, denn im Finale gegen den FC Bayern war es Madjer, dessen Hackentor für das 1:1 und die Wende im Spiel sorgte.

 

Umdenken bei den Bayern    

 

Im Anschluss an diesem Triumph verlängerte Madjer seinen Vertrag um ein Jahr. Und auch nach der Sommerpause spielte der mittlerweile 29-Jährige weiter groß auf. Im August nahm Porto am traditionsreichen Joan-Gamper-Turnier teil und besiegte dort erst den FC Barcelona, dann schon wieder den FC Bayern.     

 

Die erst einige Monate zurückliegende Niederlage im Europacupfinale hatte zu einem Umdenken beim sonst so knauserigen Bayern-Manager Uli Hoeneß geführt. Zum ersten Mal wollte er auf teure ausländische Stars setzen, um international nicht den Anschluss zu verpassen. Und nun bestand für ihn kein Zweifel mehr daran, wer der erste dieser Stars sein sollte. Noch während des Turniers sprachen er und sein neuer Trainer Jupp Heynckes mit Madjer über die Möglichkeit eines Wechsels im kommenden Sommer.

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