Hesses WM-Countdown (15): Arnies bunter Haufen

Zwei USA, es gibt nur zwei USA!

Ein ehemaliger Spieler von Schwaben Augsburg stellte 1992 praktisch über Nacht eine Elf zusammen. Es war die seltsamste der WM-Geschichte.

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Als Gastgeber der WM 1994 waren die USA automatisch qualifiziert, was nicht wenige Kommentatoren zu der Bemerkung veranlasste, dass die Amis es anders auch nicht geschafft hätten. Damals – wie heute wieder – waren fiese Bemerkungen dieser Art nicht ohne Grundlage: Beim Turnier 1990 hatten die USA in drei Vorrundenspielen drei Niederlagen mit gleich acht Gegentoren kassiert; davor war es dem Team vierzig Jahre lang nicht gelungen, auch nur die Qualifikation zu überstehen.

 

Doch so schlechte Fußballer können die Amerikaner zu jener Zeit nun auch wieder nicht gewesen sein. Denn obwohl es einem großen Teil der Öffentlichkeit entging und auch in den Statistikbüchern nicht explizit festgehalten ist, schickten die USA sehr wohl ein Team in die Qualifikation zur WM 1994 – das dann auch noch einen historischen Triumph feierte!

 

Von Augsburg in die Welt

 

Man muss allerdings sagen, dass es ein seltsames Team war, vielleicht das ungewöhnlichste der WM-Historie. Und um die Spannung ein wenig zu erhöhen, könnte man an dieser Stelle auch noch einflechten, dass die Geschichte dieses Teams in gewisser Weise 1964 begann, und zwar in Augsburg.

 

Hier war damals ein aus Costa Rica stammender US-Amerikaner namens Arnie Ramirez stationiert. In Augsburg lernte Ramirez nicht nur seine (spanische) Frau kennen, sondern spielte auch Fußball, und zwar sowohl für die Militärelf des 24. Infanterieregiments als auch für Schwaben Augsburg. 

 

Da wusste er vermutlich noch nicht, dass der Fußball den Rest seines Lebens bestimmen sollte. Nach seiner Rückkehr in die Heimat schrieb sich Ramirez bei der Long Island University in Brooklyn ein und verstärkte das dortige College-Team, später wurde er Trainer der Mannschaft und hielt den Posten fast zwanzig Jahre lang.

 

Streikende Nationalspieler

 

Während dieser Zeit traf Ramirez viele Leute und schloss Freundschaften. Zum Beispiel mit Dr. Roberto Monroig, dem Präsidenten des Fußballverbandes von Puerto Rico. Das Zusammentreffen mit Monroig war nicht weiter ungewöhnlich, denn obwohl Puerto Rico ein eigenständiger Mitgliedsverband der FIFA ist, zählt das Land zu den so genannten »amerikanischen Außengebieten« und steht somit unter der Verwaltung der USA. 

 

Das wurde Anfang des Jahres 1992 wichtig. Puerto Rico sollte in der Vorrunde der WM-Qualifikation am 21. März in Santo Domingo antreten, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Es war keine leichte Aufgabe: Puerto Rico hatte noch nie auch nur ein einziges WM-Qualifikationsspiel gewonnen und war kaum acht Monate zuvor auf eigenem Platz von den Dominikanern geschlagen worden. Zu allem Überfluss entschloss sich Dr. Monroig wenige Wochen vor dem wichtigen Spiel, seinen Nationaltrainer zu feuern. Das sorgte für Unmut bei den Spielern. Sie traten in den Streik und weigerten sich zu spielen, sollte Monroig seine Entscheidung nicht rückgängig machen.