Hesses WM-Countdown (11): Stolz und Vorteil

Es kann nur einen geben

Vor der WM 1950 machte die FIFA den vier britischen Teams ein verlockendes Angebot. Drei nahmen es an. Nur die Highlander waren zu stolz.

imago

Die Fußballgeschichte kennt verblüffend viele Gründe, aus denen eine Nationalelf nicht an einer WM teilnahm. In der Qualifikation zu scheitern, ist da nur der offensichtlichste. Denken wir bloß an all die Länder, die gar nicht erst zugelassen wurden. So sprachen wir an dieser Stelle ja schon über die Sperre, wegen der Mexiko die WM 1990 verpasste.

 

Manche Teams, wie etwa der Iran 1954, vergaßen ganz einfach, die Anmeldung rechtzeitig abzuschicken. Vier Jahre später meldete sich Zypern zwar an, konnte dann aber nicht antreten, weil die britische Kolonialbehörde den Spielern keine Ausreisegenehmigung ausstellte. Und 1966 boykottierten alle afrikanischen Länder die WM in England, weil sie den Qualifikationsmodus für ungerecht hielten.

 

Spannungen zwischen FIFA und Briten  

 

Doch den wohl ungewöhnlichsten Grund für Abwesenheit haben 1950 die Schotten geliefert: Stolz. Oder vielleicht war es auch Hochmut. Oder Dummheit. 

 

Zur Vorgeschichte muss man wissen, dass die vier ältesten Fußballverbände der Welt – England, Schottland, Wales und das heutige Nordirland – ein traditionell angespanntes Verhältnis zur FIFA hatten. Im Februar 1928 traten alle vier aus dem Weltverband aus, weil sie mit einer Neudefinition des Amateurstatus nicht einverstanden waren. 

 

Ein großzügiges Angebot

 

Erst im Juli 1946 kehrten die Briten in den Schoß der FIFA zurück und konnten damit erstmals an einer Weltmeisterschaft teilnehmen. So froh war man bei der FIFA, die Erfinder des Spiels endlich im Boot zu haben, dass man dem Quartett ein großzügiges Angebot machte: Die beiden Erstplatzierten der so genannten British Home Championship waren automatisch für die WM-Endrunde in Brasilien qualifiziert.

 

Die British Home Championship war ein schon seit 1884 jährlich ausgetragenes Turnier zwischen England, Schottland, Wales und dem Team, das als Irland begann, aber nach der Teilung des Landes 1920/21 Nordirland hieß. Da bei diesem Turnier jede Mannschaft nur einmal gegen jede andere antrat, stellte das Angebot der FIFA einen großen Vorteil dar: Die britischen Teams mussten nur drei Partien absolvieren, die sie eh spielen würden, um eine 50/50-Chance auf die Teilnahme an der WM zu haben.

Verwandte Artikel