Herthas verzweifelter Kampf um ein neues Stadion

Schuld und Vorurteil

Die Rückschläge auf dem Platz und beim Stadionneubau offenbaren die altbekannten Schwächen von Hertha BSC.

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Für den Mittwochvormittag hat sich Pal Dardai eine kleine Quälerei ausgedacht. Immer ein Dutzend frischer Spieler schickt der Trainer von Hertha BSC auf den Nebenplatz, wo sie im Dauersprint gewisse Spielzüge abzuspulen haben. Die eigentliche Gemeinheit besteht darin, dass immer dort, wo der jeweilige Spieler den Ball anzunehmen und weiterzuverarbeiten hat, Fitnesstrainer Henrik Kuchno steht und den Spieler mit einer schweren gepolsterten Matte aus dem Gleichgewicht zu bringen gedenkt. Was ihm nicht oft, aber immer mal wieder gelingt. Irgendwann ruft Kuchno in die Runde der schnaubenden Profis: »Männer, ich weiß, es zwickt, aber es muss sein!«

Das Training des Berliner Fußball-Bundesligisten am Mittwoch ist von seltener Intensität. Kurz vor dem Ende der Einheit muss Fabian Lustenberger mit Verdacht auf Muskelfaserriss im Oberschenkel aufgeben. Trotzdem sagt Pal Dardai hinterher: »Diese Trainings brauchen wir für mehr Körperlichkeit.« Er verzieht keine Miene dabei. Und so wirkt es fast, als wolle Hertha die jüngste Serie von drei Niederlagen mit einem Male wegtrainieren. 

Abfuhr für das Prestigeobjekt

Vielleicht ließe sich so auch das Thema der Woche überschreiben: Hertha BSC braucht nicht nur mehr Körperlichkeit, Hertha braucht auch mehr Widerstandsfähigkeit in allen Belangen. Gerade jetzt.

Die Ereignisse der vergangenen Tage waren – jedes für sich – ein schwerer Schlag für den Berliner Bundesligisten und sein Selbstverständnis. Sportlich stimmten zuletzt weder Laufleistung noch Ergebnisse. Eine weitere Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb ist seit der 0:5-Niederlage am Wochenende in Leipzig nicht mehr realistisch, selbst das Saisonziel, ein einstelliger Tabellenplatz, dürfte für die Mannschaft nur noch schwer zu erreichen sein. Manager Michael Preetz rief die Spieler am Montag unmissverständlich dazu auf, sich für die sieben noch ausstehenden Spiele »am Riemen zu reißen«. Einen Tag später erhielt dann auch noch Herthas Prestigeobjekt schlechthin eine Abfuhr.

Hertha neigt dazu, die eigene Bedeutung zu überschätzen

Dabei hatte der Tag so schön angefangen. Im Tierpark war das neugeborene Eisbärenbaby auf den Namen Hertha getauft worden, der Verein übernahm die Patenschaft. Aber von dem schönen PR-Termin im Tierpark war später kaum noch die Rede. Stattdessen vor allem von dem schweren strategischen Rückschlag, den Hertha, der Klub, einstecken musste. Die neue Arena, gleich neben dem Olympiastadion geplant, wird nun wohl doch nicht dort gebaut werden können - dabei hatte Ingo Schiller, Herthas Finanzgeschäftsführer, schon großzügig die Einladung für die Eröffnung am 25. Juli 2025 ausgesprochen. Um 18.30 Uhr.

Mal unabhängig davon, dass Hertha dazu neigt, die eigene Bedeutung für Berlin zu überschätzen: Den Verein holen wieder einmal die immergleichen Fehler ein. Die jüngsten Ereignisse knüpfen jedenfalls an traditionelle Urteile oder Vorurteile über Hertha an: dass die Mannschaft einfach keine Rückrunde kann. Und dass der Klub sich mit vernünftiger Kommunikation schon immer schwergetan hat.