Herthas Probleme mit den eigenen Fans

Der Verein empfindet die Ultras als anmaßend

Für noch größeres Aufsehen sorgte ein Spruchband der »Harlekins«, adressiert an die Kölner Ultras: »Selbst an Silvester tanzt eure Schwester alleine.« Nicht der erste Schlag unter die Gürtellinie, im Jahr zuvor richteten die Ultras eine Botschaft mit schwulenfeindlicher Konnotation an die Kölner Gruppe »Wilde Horde«: »Lieber eine Mutter als zwei Väter«. Sabbo kann die Aufregung nicht verstehen: »Wir sind nicht homophob und verherrlichen auch keine sexuellen Übergriffe. Die Transparente waren lediglich eine Provokation gegenüber den Kölner Ultras. Das war Satire.«

Für die meisten Beobachter war es aber kein Lacher, sondern eine grenzüberschreitende Beleidigung. Paul Keuter sagt schneidend: »Das Banner gegen Köln war an Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten.« Hertha belegte die Gruppe mit einem Bannerverbot. Das sei nichts Außergewöhnliches, betont er. »Unsere Fans, und damit die Banner, sind eben auch für unsere Außendarstellung mitverantwortlich.« Es habe immer schon Regeln gegeben, der Klub sogar persönliche Angriffe gegen die Vereinsführung auf Spruchbändern durchgehen lassen. Dazu komme das unbefugte Betreten des Innenraums. »Das alles war für uns ein klarer Vertrauensmissbrauch.« Was Keuter vor allem ärgert: Die Ultras würden keinerlei Selbstkritik üben. 

Anmaßende Ultras?

Hertha BSC sprach schließlich ein Spruchbandverbot aus. Die »Harlekins« hielten sich nicht daran. Vor dem Spiel gegen Hoffenheim im Februar 2018 wollten sie dann eine Choreografie zum Thema »50+1« anmelden. Der Klub stellte klare Auflagen: Die Dauer, die beteiligten Personen, der genaue Text sollten vorher mitgeteilt werden, außerdem sollten keine Konterfeis zu sehen sein. Für die Ultras war das ein klarer Eingriff in die Meinungsfreiheit. Häufig habe sich der Verein mit den Choreos gebrüstet, die Motive sogar im Shop verkauft. Sie fühlten sich zu Claqueuren degradiert und gaben das vorläufige Ende von Choreografien bekannt.

Viele im Verein empfinden das Verhalten der Ultras als Anmaßung. Sie müssten verstehen, dass sie nicht über Vereinspolitik bestimmen könnten, sagen Mitarbeiter im Vertrauen. Kreisel und Sabbo schütteln die Köpfe. »Es geht uns nicht darum, irgendetwas durchzusetzen. Aber wir möchten gehört werden. Wir können am Tisch sitzen und unterschiedliche Meinungen haben, das ist kein Problem.« Gibt es also doch einen Weg zurück an den Tisch? »Mit diesen Leuten derzeit nicht.«