Herthas beste Saisons

2008/2009: KRIEG UND FRIEDEN

Das Schlagwort für Herthas bis heute letzten ernsthaften Ansturm auf das Establishment liefert Leo Tolstoi. Krieg und Frieden herrschen in Berlin. Hinter den Kulissen bekämpfen sich Klubpräsident Werner Gegenbauer und der omnipotente Manager Dieter Hoeneß, auf dem Platz befriedet die Mannschaft das irritierte Publikum. Romantiker nörgeln über Herthas schnöde Zweckmäßigkeit, über den Mangel an Schönheit und Fantasie. Das ist ein zutreffender und doch ungerechter Vorwurf. Hertha spielt nicht schön, aber aufregend. Mit Intelligenz, Laufbereitschaft und schlauem Defensivmanagement, das den anderen das Gefühl gibt, sie könnten anstellen, was sie wollten, ein Tor würde doch nicht dabei herausspringen.

Im Frühjahr thront Hertha auf Platz eins, besiegt Schwergewichte wie die Bayern und Leverkusen, träumt von der ersten Meisterschaft seit 1931. Am Ende aber stehen zwei Misserfolgserlebnisse. Erst ein 0:0 daheim gegen Schalke 04, nach dem Hertha auch keine theoretische Chance mehr auf den Titel besitzt. Dann zum Finale ein 0:4 beim Absteiger Karlsruhe, in dessen Folge Hertha nur Vierter wird, was damals noch zu wenig ist für einen Platz in der Champions-League-Qualifikation.

Am Ende herrscht Krieg ohne jede Aussicht auf Frieden. Trainer Lucien Favre, der Architekt des unverhofften Aufschwungs, wird aus der Mannschaft heraus angegriffen, weil er in entscheidenden Spielen seinen zuvor verletzten Kapitän Arne Friedrich draußen lässt. Manager Hoeneß muss trotz laufenden Vertrages gehen. Er räumt seinen Platz für Michael Preetz, dem das selten erlebte Kunststück gelingt, der erfolgreichsten Saison des dritten Jahrtausends den direkten Abstieg folgen zu lassen. Fünfeinhalb Jahre später darf er vom nächsten Sturm an die Spitze träumen.