Hertha: Götz geht, Hoeneß bleibt

Der ewige Dieter

Hertha BSC Berlin hat sich von seinem Trainer Falko Götz getrennt. Außenstehenden mag das wie ein Herumdoktern an Symptomen vorkommen. Denn der, den nicht wenige für das Grundproblem halten, bleibt: Dieter Hoeneß. Imago Was ist passiert? Die Hertha ist nach dem Unentschieden von Platz 8 auf Platz 9 abgerutscht. Das ist nicht sensationell, bedeutet aber in der Saison 2006/07 sechs Spieltage vor Schluß nur fünf Punkte Puffer auf die Abstiegsränge.


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Die enge Tabellensituation führte zur Winterpause noch zur Nachsicht mit den Trainern, weil das rettende Ufer noch so nahe war. Jetzt scheint sie dazu zu führen, dass man die Trainer lieber früher als später feuert. Denn wer einen Feuerwehrmann erst drei Spieltage vor Ultimo anheuert, wird sich auf warme Worte von Medien und Fans gefasst machen müssen: ob er denn die Situation nicht haben kommen sehen, ob er die Lage unterschätzt habe etc… Kurz: in jedem Verein dieser Tabellenregion, in dem der Trainer noch nicht ausgewechselt wurde, ist der Trainer gefährdet.


Sieht man sich die Saison an, ist Herthas neunter Platz nicht überraschend. Man hat die Ankündigungen wahrgemacht und auf eine junge Mannschaft gesetzt. Aber immer wieder gab es Risse in der Mannschaft, die Götz und Hoeneß nicht zu kitten vermochten. Spieler wie Boateng oder Cairo wurden bereits letzte Saison derart öffentlich wegen Charakterschwäche in den Senkel gestellt, dass man sich wundert, warum sie in den Kader geblieben sind.

Dieses Thema setzte sich nun mit Pantelic und Simunic fort. Herthas 11-Tore-Goalgetter Pantelic wurde unter der Woche als Sündenbock zur Sau gemacht, um ihn dann am Samstag in der Startaufstellung zu bringen. Über Simunic wird erzählt, dass er bereits einige Machtkämpfe mit dem Trainer erfolgreich ausgefochten und dabei geschickt über die Bande Hoeneß agiert habe.

Es ist erstaunlich, dass sich jemand wie Dieter Hoeneß noch halten kann. Die Pantelic-Aktion fand ich ebenso eigenartig wie hilflos. Erinnert sich jemand noch an das Ausscheiden im DFB-Pokal gegen St. Pauli in der letzten Saison? Die Strafaktion von Dieter Hoeneß: Aufsätze schreiben.

Was soll nach Falko Götz kommen? Ist damit das von Hoeneß vorangetriebene Jugendprogramm von Hertha am Ende? Immerhin war es Hoeneß, der wegen der jugendlichen Ausrichtung Falko Götz einst angeheuert hatte. Ist wirklich nur Falko Götz schuld an der miserablen Stimmung im Olympiastadion?

Wann war das letzte rundum befriedigende Jahr für Hertha? Die 99er-Teilnahme in der Champions League? Die UEFA-Cup-Qualifikation 2005? Dazwischen alles öde? Alles Götz oder alles Hoeneß?


Auf der nächsten Seite lest Ihr den genauen Hergang der Trennung von Falko Götz.



Liveticker zum Dienstag Vormittag


9:54 h
Es gibt zwar verschiedene Quellen die inzwischen sagen, dass Falko Götz entlassen worden ist, aber N24 beharrt auf eine Quelle: die BILD. Nach ihren Informationen sollen die Nachfolge übrigens nicht Michael Preetz und Karsten Heine antreten, sondern Preetz und Sven Kretschmer. Hintergrund könnte die schlechte Platzierung von Heine mit Herthas Amateuren sein.

10:01 h
Die Pressekonferenz beginnt recht pünktlich. Dieter Hoeneß und Karsten Heine haben sich hingesetzt und lassen sich von eine Armada an Photographen ablichten.

10:03 h Dieter Hoeneß gibt die Trennung von Falko Götz und Andy Thom bekannt. Nachfolger werden Karsten Heine als Cheftrainer und Sven Kretschmer als Assistent.

10:04 h
Hoeneß bedankt sich artig bei Götz, mit dem man dreimal den UEFA-Cup erreicht habe. Götz wurde am Montag nachmittag telefonisch in Kenntnis zu setzen. Man habe sich danach nochmal in der Geschäftsstelle getroffen. Anlaß war die Frage, ob Falko Götz die Mannschaft noch erreicht. Darüber habe man sich mehrere Tage den Kopf zerbrochen.

Die Nachfolgefrage war schnell gelöst, da man volles Vertrauen in Karsten Heine habe. Er sei ein exzellenter Fußballkenner, habe gute Arbeit geleistet und kenne einen Großteil der Mannschaft. Der Vertrag mit Heine läuft erst einmal nur bis zum Saisonende. Man will eine Weiterverpflichtung von Heine nicht ausschließen, daher wird man Heine nicht als Interimstrainer bezeichnen.

10:08 h Die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer war nicht mehr intakt. Hertha musste handeln. Karsten Heine entschuldigt sich zunächts bei den Journalisten, dass er gestern nicht auf Anrufe auf seiner Mailbox reagieren und zurückrufen konnte (sic!). Er trägt einen grellroten Trainingsanzug.

10:10 h
Heine kennt viele Spieler und will mit denen, die er nicht kennt, bis zum Wochenende intensive Gespräche führen. Ansonsten beendet er sein sehr kurzes Statement. Der Pressesprecher erklärt, dass Karsten Heine nun auf den Trainingsplatz muss. Interessant finde ich übrigens, dass in diese Lösung Michael Preetz anscheinend nicht eingebunden worden ist.

10:12 h
Offene Fragerunde an Hoeneß: Jochen Ziegert wird Nachfolger bei den Hertha Amateuren. Laut Hoeneß hat die Lösung Preetz keine Rolle gespielt, weil er keine Erfahrung als Trainer habe. Für Sven Kretschmer als Assistent sprach, dass er zuvor stark in der Gegnerbeobachtung involviert war, und “er lebt Fußball in jeder Faser” (O-Ton Hoeneß).

Im Gegensatz zur letztjährigen Krise glaubt Hoeneß nicht, dass das Verhältnis zwischen Götz und Mannschaft noch reparabel war.