Helden der Unterklasse (81)

Die Kaiserin von Tündern

Ente gut, alles gut.

Amateurfußballer, das sind die herrlich Bekloppten, die es einfach nicht lassen können. Alte Recken, die sich auch im hohen Alter noch auf die Bank setzen und auf den einen Moment hoffen. Dieser Moment kam für den 56-jährigen Andreas Kramer, den man bei Rot-Weiß Estorf-Leeseringen nur unter seinem Spitznamen »Ente« kennt. Seine Mannschaft verlor am 22. Spieltag zwar gegen den TV Stuhr mit 0:2, dennoch war es der Tag von Ersatzkeeper »Ente«. Er hielt nicht nur einen Elfmeter, sondern parierte auch noch den Nachschuss sehenswert. Ein Mann, der für Zuverlässigkeit steht. Eine Absage vor einem Punktspiel? »Sowas kennt Ente gar nicht«, sagte sein Trainer Lukas Swiatkowski im fussball.de-Interview. Nächste Saison gibt »Ente« dann den Torwartrainer, aber wenn mal wieder Not am Mann ist, ist er natürlich da. Denn bei RW Estorf-Leeseringen gilt: »Ente gut, alles gut.«

Die Kaiserin von Tündern

Noch heute spielt ein Großteil der Amateurmannschaften mit dem guten alten Libero. Es ist die Königsposition, auch wenn sie ein Kaiser prägte. Das Aufgabengebiet lässt sich einfach zusammenfassen: den grobschlächtigen aber laufstarken Manndeckern die Gegenspieler zuweisen, für den Torhüter die Abstöße ausführen, damit diese wenigstens ab und zu mal über die Mittellinie kommen und den punktgenauen Pass über das halbe Feld. Doch ist es zeitgemäß, dabei immer nur an einen Routinier aus der Herrenmannschaft zu denken? Nein. Beim 1:0-Auswärtssieg ihrer HSC BW Tündern bei PSV Grün-Weiß Hildesheim zeigte Christin Kruppki, wie es geht: Kopf oben, Ball eng am Fuß, links kurz die mitgereisten Fans grüßen und mit rechts einen weiten Zuckerpass aus dem Fußgelenk spielen, damit Kollegin Hanna Kleindiek den Siegtreffer erzielen kann. Ihr Trainer Alexander Stamm brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: »Den hat Christin hinten rausgespielt wie Beckenbauer früher.« Das würde Kaiser Franz sicherlich genauso unterschreiben, aber der unterschreibt ja eh alles.