Helden der Unterklasse (76)

»Oma hat Geburtstag!«

Aushalten: Nicht spielen.
Im Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst lag bis letzte Woche der Spielbetrieb lahm. Der Winter hatte den Amateurfußball fest im Griff. Die Trainer der Kreisliga mussten improvisieren. Und Mete Döner, Trainer von Rot-Weiß Hürriyet, hat nicht nur einen geschmackvollen Nachnamen, sondern auch die Ruhe weg: »Ich versuche, meine Jungs mit Unternehmungen bei Laune zu halten, zum Beispiel mit gemeinsamem Teetrinken.« Georg Zimmermann, Trainer des TV Falkenburg, mag es ebenfalls gesellig: »Wir hatten eine Kohltour und haben geschlossen am Faschingsumzug in Ganderkesee teilgenommen.« Nur Mohamed Charour, Trainer vom TSV Ippener, ist resigniert: »Im Lauftraining hatten wir eine miese Trainingsbeteiligung, vor allem, als es so kalt war. Sowas habe ich in meiner Laufbahn noch nie erlebt.« Das verwundert niemanden ernsthaft, oder?

»Ich schaffe es heute nicht zum Training, muss zum Geburtstag«
Auch der Süden des Landes hatte mit dem Winter zu kämpfen. Beim FC Lenzkirch war an Balltraining nicht zu denken, sechs Wochen ging im heimischen Atmosstadion gar nichts. Dafür auf dem Programm: Ausdauerläufe. Über die mangelhafte Trainingsbeteiligung wundert sich Lenzkirchs Trainer Zeljko Cosic nicht mehr, gibt aber zu: »Wenn da eine Großmutter das dritte Mal binnen zwei Wochen Geburtstag hat, gibt das schon zu denken.« Dabei wissen wir doch alle: Oma feiert halt gern.

»Muss man denn alles selbst machen?«
Die Einflussmöglichkeiten eines Trainers nach einem frühen Gegentor sind begrenzt. Mancher schwört auf Aufmunterung, ein anderer auf den guten alten Wutausbruch. Meist verebbt beides. Michael Claßen, Spielertrainer des PSV Mönchengladbach III, nahm nach dem Rückstand seiner Mannschaft gegen den TuS Liedberg II das Spiel selbst in die Hand. In der 30. Minute wechselte sich der Coach selbst ein und erzielte prompt drei Tore. Dabei machte der Trainer seinem Ruf als Allrounder mal wieder alle Ehre. So stand der Coach in dieser Saison auch schon zwischen den Pfosten und war auf dem Spielprotokoll sogar als Ersatztorhüter geführt. Das Spiel ging zwar noch 3:3 aus - dennoch ein Beweis dafür, dass man wahrhaft polyvalente Spieler doch nur in der Kreisliga findet. Claßen blieb ein paar Tage seiner starken Leistung nach dem Spiel ehrlich und bescheiden: »Ich musste mein Knie erstmal zwei Tage hochlegen. Die Belastung war doch etwas zu hoch.« Michael Claßen, ein wahrer Held der Unterklasse.