Helden der Unterklasse (75)

Frostfoul

Die zentralen Fragen im Leben eines Kreisligafußballers: Muss das Training ausfallen, nur weil der Boden vereist ist? Was ist die beste Absage in der WhatsApp-Gruppe? Und warum kann man manchmal nicht, wenn jemand daneben steht? Alle Antworten gibt es hier. 

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Biebertal gegen den Winter
Spielabsagen, Trainingsausfall - ein typischer Winter in der Kreisliga. Nur bei der FSG Biebertal läuft das anders. Gleich zweimal trotzten die Biebertaler auf kreative Art dem Winter. Als im Februar das Freundschaftsspiel gegen FSG Lumda/Geilshausen zu kippen drohte, wurde kurzerhand ein Schleppnetz hinter ein Auto gespannt und damit akkurat der Platz abgezogen. Biebertal gewann deutlich mit 4:0 gegen Lumda/Geilshausen und den Winter. Doch damit nicht genug. Zwei Wochen später war der Platz so vereist, dass selbst der rasanteste Fahrer den harten Boden nicht erweichen konnte. Spontan trainierte man in der benachbarten Spaß-Park auf Trampolinen die Sprungkraft. Beim nächsten Trainingsausfall vermutlich in Planung: »Durch die Gasse spielen« in der örtlichen Fußgängerzone.

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Die glorreichen Sieben von Oberhausen
Vor dem Spiel des Tabellenletzten DJK Adler Oberhausen gegen den Tabellenführer FC Sterkrade 72 hagelte es in der WhatsApp-Gruppe der Gastgeber Absagen. Ein fieser Magen-Darm-Virus zog seine Kreise, diverse Omas feierten zum dritten Mal ihren 80. Geburtstag und wer noch keine Ausrede hatte, entscheid sich kurzerhand für einen Wohnungswechsel. Nur sieben wackere Recken zogen mit Trainer Hartmut Elias in die scheinbar ausweglose Schlacht gegen Sterkrade. Sieben Männer bereit, alles zu geben und bis zum Äußersten zu gehen. Zumindest bis zur vierten Spielminute, dann kassierte man das 0:1 und einer der sieben Helden verletzte sich. Das Spiel wurde nach fünf Minuten abgebrochen. Der Mut ist wie ein Regenschirm. Wenn man ihn am dringendsten braucht, fehlt er einem. Gleiches gilt für Auswechselspieler.

»Was ich besser als mein Vorgänger mache? Alles!«
Zu den Gepflogenheiten bei einem Trainerwechsel im Profifußball gehört auch immer die Danksagung an den Vorgänger. Da kann der Saisonstart noch so desolat, die Vorbereitung noch so lasch gewesen sein, die drei Siege nach dem Amtsantritt des neues Trainer sind immer auch Verdienst des Entlassenen. Das ist natürlich Quatsch - aber eine der wenigen Anstandsformeln, die bis heute Bestand haben. Derartige Floskeln braucht Thomas Benning vom FC Viktoria Heiden nicht: »Was ich besser als mein Vorgänger mache? Alles!« Tatsächlich führte er den Landesligisten mit drei Siegen aus vier Spielen raus aus der Abstiegszone. Vorgänger Harald Katemann beißt Zuhause beherzt in den Holztisch.